· 

Erfahrungsbericht: Nikon Z7

Ein Jahr Z7 - meine Bilanz

Gleich vorne weg möchte ich anmerken das mein "Wechsel" auf das Nikon Z-System kein eigentlicher Wechsel war. Irgendwann Ende Mai erfuhr ich von jemandem über Instagram das bei Melectronics grad eine super Aktion im Gange sei und tatsächlich die war sowas von genial! Nach einer Nacht des Überlegens reservierte ich also grad noch das letzte Set vor Ort und hohlte es das Wochenende darauf ab....

 

Wie schon erwähnt ist / war es für mich kein kompletter Wechsel, vielmehr eine Ergänzung zu meiner geliebten D850.

Ja, mittlerweile sieht es anders aus und die grosse liegt vor Staub geschützt praktisch nur noch Zuhause, aber dazu später mehr.

 

Meine Gründe:

Der Top Grund mir eine Spiegellose Kamera von Nikon zu holen war natürlich das Gewicht. Einerseits wiegt der Body einiges weniger und wenn man da noch die neuen Z-Objektive dazu nimmt, bekommt man eine Kombination die einfach unschlagbar ist. So bin ich gerade bei Vollmond und auf reinen Tagesfotografie Touren heute nur noch mit den Blende F/4 Z-Linsen unterwegs. Die Möglichkeit Schraubfilter an 14mm zu benutzen ist ein Segen. Wer am alten 14-14 F2.8 mit Filtern hantiert hat, der weiss wovon ich spreche...

Ein weiterer Grund war für mich der einzigartige Sensor der D850 den ich lieben gelernt habe. Mir ist es wichtig immer das Beste dabei zu haben was ich besitze im Bezug auf die Bildqualität und wenn ich jetzt die Z6 oder eine D750 hätte, dann würde ich mich am Ende ärgern nicht die maximale Auflösung dabei zu haben.

So war und ist die Z7 für mich die ideale Ergänzung ohne Kompromisse eingehen zu müssen, zumindest fast.

Die Möglichkeit mittels Adapter auch mein grosses Tele zu verwenden und all die angeschafften Linsen weiter gebrauchen zu können, machte meine Anschaffungsgründe vollständig.

Die Eierlegende-Woll-Milch-Sau?

Wenn und falls es so etwas überhaupt gibt im Bereich der Technik, dann denke ich kommt die Nikon Z7 dem schon ziemlich nah.

In Bezug auf Bildqualität, Ausstattung und Gewicht ist sie echt genial und nach über einem Jahr bin ich immer noch begeistert! Natürlich gibt es hier und dort Dinge die mich stören, was aber bei meiner D850 und allem was ich davor im Gebrauch hatte nicht anders war. Genau darin würde sich wohl die Eierlegende-Woll-Milch-Sau abheben ;-)

Nun aber zu einem etwas detaillierterem Fazit...

 

Pro:

 

- Gewicht

- interner 5 Achsen Bildstabilisator

- Oled Sucher

- Kompatibilität zu F-Objektiven (mit Adapter)

- Kein Front-/Backfokus

- Neue kompakte Linsen

Contra:

- Liveview zeigt maximal Blende 5.6 an

-Scharfstellen, Bildausschnitt wählen bei Nacht fällt schwer

- Anschluss für Fernauslöser nicht ideal im Hochformat

- Keine Tastenbeleuchtung

- Nur 1 XQD Kartenslot



Um einige der Pro's hervorzuheben möchte ich vor allem den Bildstabilisator, den Sucher und as Thema Front-/Backfokus kurz ansprechen:

 

 

Der Bildstabilisator ist wirklich sensationell und macht richtig Spass. So wird es zum Beispiel möglich während des Sonnenuntergangs ein Bild von fliessendem Wasser zu schiessen mit Verschlusszeiten zwischen 1/20 - 1/4sec und das FREIHAND! Da er im Kameragehäuse sitzt werden so auch die alten F-Bajonett Linsen stabilisiert, das ist ein wirklicher Gewinn und ermöglicht Bilder aus Perspektiven die von einem Stativ aus fotografiert fast nicht umsetzbar wären...


Der neue Sucher ist ebenfalls etwas an das ich mich extrem rasch gewöhnt habe und etwas das mir fehlt sobald ich meine D850 wieder einmal im Einsatz habe.

Die Möglichkeit das Histogramm gleich im Sucher anzuzeigen, oder auf die 100% Ansicht zu wechseln ist unbezahlbar. Vor allem bei hellen Bedingungen gestaltet es sich einiges angenehmer als auf dem normalen Display die Informationen abzulesen. Auch in der Nacht ist es toll gleich am Sucher auf die Sterne scharf zustellen, hierbei gibt es aber leider einen Haken auf den ich noch zurück kommen werde.

Was Front-/Backfokus angeht könnte ich ein Lied singen mit meinen Spiegelreflex Kameras, gerade bei Tier und Makroaufnahmen. Zum allerersten Mal ging eine Makrosession zu Ende ohne das ich mich aufregen musste weil der Fokus wie wild hin und her gewandert ist, ohne das Ziel zu treffen. Alleine dafür hat sich die Anschaffung der Z7 gelohnt, hahaha

Nein im Ernst, es gibt nichts elenderes als das der Autofokus eine Blume nicht findet die komplett frei steht, aus der Hand manuell fokussieren wird mit 400mm und einer Blende von 2.8 nämlich etwas schwierig...

Bei der Tierfotografie fehlte mir bisher leider die Zeit um genaueres zu berichten. Ich war letztes Jahr in den Vogesen und dort sehr von der Kamera begeistert. Diesen Frühling bei den Bartgeiern erfuhr ich zum ersten Mal eine kleine Enttäuschung, da der Fokus entweder zu langsam war oder dann daneben lag. Hier werde ich sicher noch etwas experimentieren müssen bis ich eine gute Lösung habe.


Natürlich möchte ich auch einige der Contra's hervorheben und thematisieren. Hier sind es vor allem der Liveview, Scharfstellen bei Nacht und der Anschluss des Fernauslösers:

 

 

 

 

Einer der am häufigsten gehörten Minuspunkte der Nikon Z Kameras ist die Tatsache, das in der Liveviewansicht nur ein Bild bis Blende F/5.6 dargestellt wird. Das ist insofern ärgerlich weil es bei den Spiegelreflex Modellen anders ist. Für uns Landschaftsfotografen ist es wichtig die Schärfe schon vor der Aufnahme zu kontrollieren, oder den Sonnenstern des Objektivs live zu sehen. Anfangs war ich tatsächlich etwas ratlos wie man dieses Problem umgehen kann. Mittlerweile hat sich dieses Them für mich weitgehend erledigt, da ich mir die Abblendtaste auf eine der zwei Funktionsbuttons gelegt habe. Wenn ich nun in die Sonne fotografiere, so drücke ich diese Taste und sehe wie gewohnt das Bild wie es am Ende aussieht. Der einzige Haken dabei ist, dass man bei gedrückter Abblendtaste nicht auf 100% zoomen kann um scharf zustellen. Würde das von Nikon angepasst, wäre die ganze Thematik für mich aus dem Weg geräumt. Mal sehen was die Zukunft noch bringt...

Scharfstellen bei Nacht ist und bleibt ein Thema mit Nikon Kameras und Objektiven. Einerseits haben sämtliche Nikon Linsen keinen Anschlag bei unendlich, andererseits ist die Liveviewansicht in der Nacht nicht wirklich berauschend. So fällt es etwas schwer den genauen Punkt festzustellen, wo nun die Sterne scharf dargestellt werden. Da bei den Z-Modellen nun der optische Sucher auch wegfällt ist man sozusagen Blind wenn man in der Nacht versucht seinen Bildausschnitt zu suchen. Es bleibt nichts anderes als mit extrem hoher ISO Zahl eine Testaufnahme zu machen, bis der Bildaufbau passt. Für mich ist das nicht mehr ganz von Bedeutung, da ich den Vordergrund generell gerne noch in der Dämmerung aufnehme und mich Nachts dem Himmel widme, für reine Nachtfotografie kann das aber ein Hindernis darstellen und bedarf etwas Gewöhnungszeit.

 

Der letzte Punkt ist der Anschluss für Fernauslöser. Hier hätte ich mir den bewährten Schraubanschluss der 800er Reihe gewünscht. Das war wohl aus Platzgründen nicht möglich, deshalb wurde es der Anschluss den man von der D750 etc. kennt. Das alles ginge Problemlos, wäre er bloss an einer anderen Stelle verbaut. Hat man nämlich einen L-Winkel Montiert und möchte mit angeschlossenem Auslöser ins Hochformat wechseln, so kommt dieser sehr schnell in den Weg. Aus diesem Grund fehlt einem die halbe länge des Winkels um die Kamera auf dem Stativ zu befestigen, das ist wirklich schade...


Alles in Allem finde ich mich sehr gut zurecht und lernte über die Zeit mit den wenigen Minuspunkten zu leben oder sie zu umgehen. Für mich ist es die Kamera der Wahl geworden und Heute bin ich fast ausschliesslich mit der Z7 unterwegs, denn egal welche Situation ich auch antreffe, sie kommt damit klar.

 

Selbst bei widrigen Bedingungen, sprich wenn es nass oder kalt wird steht sie dem "grossen Bruder", der D850 in nichts nach.

 

In der Gallerie zeige ich einen kleinen Querschnitt durch die Touren und Erlebnisse auf denen mich die Z7 begleitet hat und hoffe so einen Einblick zu gewähren, zu was diese kleine Kamera so fähig ist...

Herzlichen Dank habt ihr bis hierhin gelesen! 

Über ein Feedback freue ich mich immer, aber auch über eure Meinung wenn ihr selber im Besitz einer Z Kamera seid.

 

Beste Grüsse und bis Bald

euer Lukas

Kommentar schreiben

Kommentare: 4
  • #1

    Janis Borer (Dienstag, 01 September 2020 10:34)

    Hallo Lukas
    Sehr toller und hilfreicher Blog!
    Ich bin auf der Suche nach einer neuen Kamera und arbeite im Moment mit Sony.
    Jedoch sehe ich bei den Sony-Modellen, die den Technischen Stand der aktuellen Z-Serie haben, den Preis viel zu hoch und möchte auf das Z-System wechseln...
    Ich fotografiere sehr oft in der Nacht, was heisst, dass das Rauschen für mich sehr hohe Priorität hat. Auch Sonnensterne sind ein wichtiges Kriterium.

    Würdest du somit im Bereich „Rauschen“ die Z7 empfehlen oder siehst du da die mit weniger Megapixel ausgestattete Z6 vorne?
    Und wie sind genau die Sonnensterne des 14-30mm f4? Hat das Objektiv auch bei f18 schon schöne kompakte Sterne, ohne auszustreuen?

    Vielen Dank für deine Hilfe!
    Liebe Grüsse
    Janis Borer

  • #2

    Robert Bonsels (Dienstag, 01 September 2020 11:59)

    Hi Lukas,

    sehr guter Erfahrungsbericht, der sich im Prinzip mit meinen Erfahrungen deckt. Ein riesen Minuspunkt für mich ist, dass voreingestellt immer noch nur 30 Sekunden Belichtungszeit möglich sind...und das im Jahr 2020...alle anderen Hertseller erlauben da eine flexiblere Voreinstellung der Zeit, vor allem auch mit integrierter Anzeige der noch verbleibenden Belichtungszeit. Das vermisse ich schon sehr...

    Liebe Grüße,
    Robert

  • #3

    Susanne Stöckli (Mittwoch, 02 September 2020 18:15)

    Sali Lukas
    Auch mir geht es wie dir. Meine D850 ist zur reinen Ersatzkamera "degradiert" worden.
    Meine Wahrnehmung der Z7 deckt sich vollumfänglich mit deiner. Auch den Punkt, den Robert Bonsels anmerkt (Belichtungszeit), kann ich nur bestätigen. Aus diesem Grund ist für die Landschaftsfotografie die Fujifilm GFX50s eine Überlegung geworden. Ich durfte diese Kamera letzte Woche an einem Workshop in der Praxis testen und war echt begeistert. Wahrscheinlich werde ich die D850 gegen die GFX eintauschen, auch wenn ich damit anschliessend auf zwei verschiedenen Systemen unterwegs bin. Dafür ist dann beides spiegellos.
    Herzlich
    Susanne

  • #4

    daniel.strickler29@gmail.com (Sonntag, 13 September 2020 14:32)

    Lieber Lukas
    Herzlichen Dank für deinen informativen und hilfreichen Blogbeitrag. Ich überlege mir zu meiner Olympus OM-D E-M10 Mark II eine Nikon Z 7 zu kaufen. Mich interessiert es, ob du in der Zwischenzeit Erfahrungen mit Tieraufnahmen machen konntest? In vielen Foren und Blogs wird bei den spiegellosen Kameras darauf hingewiesen, dass für Sport-, Aktion- und Wildlifeaufnahmen die Ansprüche nicht erfüllt werden, so auch der Testbericht von Stefan Imig. Aber der Naturfotograf Morten Hilmer, fotografiert mit einer Z 6 hervorragende Tieraufnahmen. Die Entscheidung machen einem die gegensätzlichen Meinungen und Fakten nicht gerade einfach. Oder ist die Wahl für eine Nikon D780 für Natur-, Landschafts- und Tieraufnahmen eher richtig? Herzlichen Dank dir für eine Rückantwort.
    Viel Erfreuliches
    Dani