Strahlhorn 3026m - Aletschgletscher einmal anders!

Wenn man von Strahlhorn spricht, dann stösst man sehr schnell auf den bekannten 4000er Gipfel zwischen Saas Fee und Zermatt. Doch es gibt noch ein Strahlorn und zwar den 3026m hohen Namensvetter direkt am wunderschönen Aletschgletscher. Um genau diesen Berg und seine Bedeutung für mich soll es heute gehen . . .

Vielleicht kennst du das ebenfalls, aber für mich gibt es Bilder, die mich seit vielen Jahren begleiten.
Eines dieser Bilder ist auf jeder Mehrtageskarte der Aletscharen abgedruckt.
Da ich das grosse Privileg habe, die Bettmeralp quasi als zweite Heimat bezeichnen zu dürfen, war und ist der Aletschgletscher ein fester Bestandteil meines Lebens.
Ob beim wandern oder skifahren, mindestens zweimal im Jahr sehe ich den Eisriesen aus nächster Nähe.
Man könnte schon fast sagen, ich habe mich an den Anblick gewöhnt und wohl aus diesem Grund war der Grosse Aletschgletscher bei mir fotografisch über viele Jahre nie wirklich ein Thema. Immer wieder umgeben vom Gletscher aber auch von den unzähligen Plakaten, Postkarten usw. war mein fotografisches Interesse sehr gering und ich dachte wirklich, es wurde jedes Bild bereits gemacht.
Nun, das stimmt so natürlich nicht ganz. Seit etwa vier Jahren zieht es mich nun auch mit der Kamera öfters an den Rand des Gletschers, immer auf der Suche nach neuen Bildideen, besonderem Licht und einfach um die gewaltige Schönheit zu geniessen, solange ich wir ihn noch haben.
Ganz oben auf meiner Wunschliste stand das am Anfang erwähnte Motiv auf den Mehrtageskarten, welches ich so oft in der Hosentasche dabei hatte:

Das auf den Karten abgedruckte Bild zeigt jedoch nicht etwa den Blick vom Bettmer- oder Eggishorn, was man erwarten würde, sondern es zeigt das Panorama vom schwer erreichbaren Strahlhorn. Lange war mir dieser Umstand gar nicht bewusst, doch als ich vor mehr als vier Jahren nach einer neuen Location für ein Bild der Miclhstrasse über dem Aletschgletscher gesucht habe, viel bei mir der Groschen.
Einige Jahre, viele lange Stunden der Tourenplanung und mehrere Abbrüche in letzter Stunde später, stand ich am 15.09.2026 nun endlich und zum ersten Mal auf dem 3026m hohen Gipfel des Strahlhorns.
Die Bedenken und Sorgen betreffend dem sehr steilen Aufstieg durch teilweise sandige Stellen, Grasbänder und Blockgestein sollten sich bestätigen. Bei schlechtem Wetter oder viel Wind würde ich den Aufstieg definitiv nicht ohne gute Bergerfahrung angehen, besondes nicht mit einem schweren Fotorucksack und der Idee eines Gipfel-Biwaks!
Alles in allem verliefen die gut 660 Höhenmeter ab der Gletscherstube jedoch ohne jegliche Probleme und dank der sehr guten Vorbereitung fand ich die nur schwer sichtbare Aufstiegsroute auf Anhieb. Ist man dann erst einmal beim richtigen Einstieg angekommen, führen einen diverse mehr oder weniger versteckte Steinmännchen der Vorgänger sicher durch die steilsten Passagen bis hoch zum Gipfel. Erfahrung in steilem und weglosen Gelände bis T5 ist aber auf jeden Fall notwendig, denn im steilsten Stück kommen die Hände permanent zum Einsatz.
Ob vor mir jemals ein Mensch am Gipfel biwakiert und den Aletschgletscher von diesem "Viewpoint" aus bei Nacht gesehen und fotografiert hat, wage ich aufgrund der wenigen Einträge im Gipfelbuch ernsthaft zu bezweifeln. Falls dem aber so ist und der-/diejenige diesen Beitrag liest, melde dich bitte bei mir für einen Austausch!
Einmal oben angekommen verschlug mir die Aussicht schier den Atem. Von der Jungfrauregion bis zum Matterhorn entfaltet sich ein Panorama sondergleichen, alles verbunden durch den immer noch gigantischen Eisstrom des Grossen Aletschgletschers.
Mein Glück war an diesem Tag umso grösser, weil ich direkt beim Gipfel den wohl besten Biwakplatz meiner bisherigen Outdoor Karriere vorfand und mir die lange ersehnte sternenklare und windstille Nacht auf diesem Gipfel bevorstand:

Mein seit vielen Jahren gehegter Plan ging vollends auf, der Aletschgletscher präsentierte sich unter einem Meer aus Sternen, links flankiert von der untergehenden Milchstrasse, rechts vom Grossen Wagen.
Das gesamte Panorama wurde vollständig in einer einzigen Nacht aufgenommen, die einzelnen Bilder entstanden eines nach dem anderen und das Endresultat glänzt mit einer Auflösung von 153 Megapixel!
Für alle die der technische Hintergrund interessiert:
Equipment:
Sony A1ii, Sony 14mm F1.8 GM, Leofoto Ranger LS-323-C, MSM Nomad (Startracker)
EXIF:
Himmel - 10x 90sec. / 14mm / F2.8 / ISO 2000 - Querformat
Vordergrund - 11x 120sec. / 14mm / F2.8 / ISO 5000 - Hochformat
Der ganze Prozess mitsamt ausrichten der Nachführung und der Aufnahme von ein zwei weiteren Bildern dauerte gute zwei Stunden. Danach verzog ich mich in den vor Luftfeuchtigkeit bereits triefend nassen Biwaksack und lag noch gut eine dreiviertelstunde wach im warmen Schlafsack und genoss den Blick in die weiten des Weltalls.
Um etwa etwa halb sechs des nächsten Morgens klingelte mein Wecker und wie erwartet sollte mein Blick auf die Sterne durch Wolken blokiert sein. Etwas unerwartet hüllte mich kurz darauf auch noch dichter Nebel ein und ich begann mir ernsthaft Sorgen um den sehr steilen Abstieg zu machen. Konnten die Wetterprognosen wirklich stimmen und der Nebel sich wie vorhergesagt komplett auflösen? Oder passiert das Gegenteil und ich sitze hier oben fest, ohne die Hand vor den Augen zu sehen?
Von der Fotografie liess ich mich trotz der leichten Zweifel betreffend meines bevorstehenden Abstiegs in keiner Weise abbringen, ich war ja schliesslich genau dafür hier hoch gekommen und es dauerte noch einige Stunden bis der Abstieg näher kam...
Obwohl die ersten Sonnenstrahlen erst um kurz nach 07:00 die Berggipfel um das Aletschhorn erleuchten sollten, gelang mir bereits um 06:24 das beste Bild des ganzen Morgen. Wie so oft, leuchteten die Wolken im allerersten Dämmerlicht in den schönsten Farben, während die Landschaft ebenfalls bereits in ein sanft violettes Licht gehüllt wurde. Das Endresultat lässt sich defintiv ich sehen:

Nach dem atemberaubenden Sonnenaufgang, der in alle Himmelsrichtungen spektakulär aussah, gab es für mich ein kurzes Frühstück, gefolgt von einem Eintrag in das Gipfelbuch und dem anschliessenden Zusammenpacken meines Materials. Wie immer achtete ich darauf, meinen Schlafplatz genau so zu hinterlassen, wie ich ihn angetroffen habe und machte mich danach an den steilen Abstieg. Zum Glück behielten die Wettervorhersagen recht, vom Morgennebel war schon lange keine Spur mehr zu sehen!
Überglücklich, jedoch mit Blasen an den Füssen und einzigartigen Bilder im Gepäck, erreichte ich kurz vor dem Mittag mein Auto auf dem Parkplatz in Fiesch, was für ein bleibendes Abenteuer!
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Ich hoffe sehr, dir hat der Beitrag gefallen und danke hast du bis hierhin gelesen!
Liebe Grüsse und bis zum nächsten Mal,
Lukas
PS: Anbei noch ein kleines Best-Of aus den unzähligen Besuchen des Grossen Aletschgletscher der letzten Jahre, viel Spass beim betrachten!



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