• Lukas Moesch

Gletscherhöhlen - Welten aus Eis


Nach einer langen Zeit komme ich endlich wieder dazu etwas zu schreiben. Der Grund wieso es einige Zeit nichts zu lesen gab waren die vielen Touren und meine Ausbildung zum Outdoor Guide, die mich ganz schön in Anspruch genommen haben.

Als Resultat dieses intensiven Winters gelangte ich an wundersame Orte und entführe euch Heute in die tiefen des ewigen Eises - den Gletscherhöhlen.


Polarlichter in einer Gletschermühle / Island

Wann genau meine Faszination für Gletscher angefangen hat weiss ich gar nicht mehr genau, wahrscheinlich aber auf einem der unzähligen Skiurlaube in Saas Fee. Die dortige Eishöhle, welche von Menschenhand gebaut wurde, hat mich immer begeistert. Dazu kam noch jeden Morgen der Blick auf die gigantische, vergletscherte Bergkulisse, welcher sich aus dem Schlafzimmerfenster bot.

Doch, ich denke genau dort hat mich das Gletscher Virus ein erstes Mal angesteckt.


Der ultimative Sucht-Entfacher kam dann im Jahr 2015. In diesem Sommer erkundete ich zum aller ersten Mal eine natürliche Gletscherhöhle und war von der ersten Minute an verliebt! Natürlich war das leichtsinnig, den im Sommer sind diese Eispaläste alles andere als einsturzsicher, aber in den jugendlichen Jahren konnte ich nicht widerstehen...



Eiszapfen an der Höhlendecke / Wallis


Das alles war gerade zu der Zeit in der langsam die Bilder aus den isländischen Ice Cave die runden im Internet zogen. Aufgrund der fehlenden Möglichkeiten in den Wintern nach Island zu reisen, beschloss ich die Suche von "einheimischen" Höhlen zu starten.

Nun was soll ich sagen, Heute schreiben wir das Jahr 2022 und ich habe noch immer nicht alle Gletscher besucht die potenziell geeignet sind und das alleine in der Schweiz!

Die Fülle an Möglichkeiten ist riesig, der Aufwand dorthin zu gelangen aber auch. Jeden Winter starte ich in den Tälern mit meinen 30kg Gepäck, immer in der Hoffnung die Höhle existiert noch und ist so fotogen wie ich es mir erhofft habe. Lawinensituation, Wetter und andere Termine minimieren das Zeitfenster weiter, sodass pro Winter nicht viele Touren realisiert werden können. Darüber hinaus startet das Suchspiel jedes Jahr von vorne, denn Gletscher fliessen, Höhlen stürzen ein und Bäche bahnen sich neue Wege unterhalb des Eisschildes. Deshalb bin ich unglaublich dankbar alleine diesen Winter in 5 verschiedenen Höhlen gestanden zu haben, in einigen sogar mehrfach und für mehrere Tage.

Die Schönheit von Eishöhlen ist in der Natur, aus meiner Sicht, kaum zu übertreffen und die Zahl an Motiven, Farben und Forme schier endlos.


Bei so vielen Höhlen Besuchen verändern sich nach und nach auch die Zielsetzung und der Anspruch an die Bilder. Für diesen Winter hatte ich entsprechen einige unkonventionelle Ideen, welche mit technischen Hürden verbunden waren.

So wollte ich unbedingt eine Nachtaufnahme aus einer Höhle, die nicht die dazugehörigen "Probleme" wie Bildrauschen und fehlende Schärfentiefe aufweist. Ein weiteres Projekt das mir seit Jahren im Kopf herum schwirrte war ein Bild bei aus einem Ice Cave mit Blick auf Polarlichter, welches mit denselben Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Dazu wollte ich schon länger etwas anderes als eine Fackel zur Beleuchtung nutzen und darüber hinaus mich mit dem Tele Objektiv auf die kleinen Details konzentrieren.

Mit all diesen Ideen im Kopf hatte ich eine gewisse Vorstellung wie die Ziele erreicht werden und welcher Aufwand dafür nötig wird. Aber auf diese Weise gelang es mir, den Zauber des ewigen Eises auf eine neue, bisher unbekannte Art einzufangen.


Viel Spass beim Betrachten!




Bei jeder der gezeigten Gletscherhöhlen war es als würde man eine neue Welt erkunden. Keine sieht der anderen gleich, jede hat ihre eigenen kleinen Wunder die sich einem teils erst nach Stunden eröffnen. In einigen fliesst über den ganzen Winter hinweg reinstes Quellwasser, während andere einer Eiswüste gleichen und der Wind bitter kalt hindurch fegt. Was mir diesen Winter aber am deutlichsten klar wurde ist wie sehr ein Gletscher lebt. Man stellt sich kaum etwas statischeres vor als diese riesigen Eiskolosse, in Wahrheit passier unter der Oberfläche aber unheimlich viel und das in kürzester Zeit. So brechen selbst im Winter gewisse Teile ab, oder der Boden "wächst" über Wochen in die Höhe!

So sind einige Gänge Anfangs Winter ganz einfach zu passieren, während man gegen den Frühling nur noch hindurch kriechen konnte, könnt ihr das glauben?


Ein zusätzlicher, höchst interessanter Aspekt ist der Einfluss des Mondes. So zeigt sich seine Kraft in unvorstellbarer Deutlichkeit, wenn plötzlich das Wasser eines Baches an die Oberfläche der Eiskruste gezogen wird je näher wir uns dem Vollmond nähern.

Der ganze Fussboden wird nass, glitschig und gefriert zu einer immer dickeren Schicht. Sobald der Vollmond vorüber geht, verschwindet auch das Wasser wieder unter den Eispanzer und hinterlässt eine Eisschicht wie in der Eishockey Halle.


Ich bin einfach unendlich dankbar für all die tollen Erlebnisse und Momente die mir diesem Winter geschenkt wurden. Die grössten Highlights waren definitiv der Sonnenaufgang am Matterhorn, betrachtet aus der schönsten Gletscherhöhle der Schweiz, getippt vom Spektakel der Polarlicht Nacht am Vatnajökull in Island!







Zum Schluss noch ein paar Worte bezüglich Bildmanipulation / Compsings. Ich werde immer wieder gefragt "ist das Photoshop?"

Die Antwort lautet ganz klar JEIN. In der Zeit der digitalen Fotografie gehören Programme wie Photoshop dazu und wenn es nicht Photoshop ist dann ganz sicher Lightroom, Capture One oder Luminar. Im Umgang mit digitalen Bildern ist e einfach üblich die Bilder noch "fertig" zu machen. Sprich ein korrekt belichtetes Bild direkt aus der Kamera hat kaum Kontraste und ist über alles gesehen sehr flach. Beim Smartphone macht das alles die Software und man kriegt das rohe Bild gar nie zu sehen, nicht so bei Spielreflex/Spiegellosen Kameras.

Deswegen ist eher die Frage wieviel Photoshop hinter einem Bild steckt relevant, denn dort sind die grossen Unterschiede zu finden.

Bei mir ist es so, dass ich die Fotografie in der Natur und deren Nachbearbeitung am Computer nicht trenne, da Heute beides zu einem Bild gehört. Gerade bei technisch schwierigen Aufnahmen habe ich bereits im Voraus eine Genaue Vorstellung wie ich die Bilder fotografiere, welche einzelnen Komponenten ich dafür benötige und wie diese am Ende zusammen kommen. Deswegen habe ich bei meinen Arbeiten keine klare und unveränderliche Antwort auf die Frage; Wie viel Photoshop steckt dahinter.


Viele Bilder sind ganz einfach und können von jedem in einer einzelnen Belichtung genauso fotografiert werden. Was ich aber anstrebe ist einen eigenen Stil zu haben und diesen auch weiter zu entwickeln. Dieser Stil zeichnet sich durch neue, kreative Interpretation bekannter Orte/Motive sowie dem entdecken neuer Flecken auf dieser Erde aus. Dadurch stosse ich ab und zu an die Grenzen der Möglichkeiten.

So sind zB. die Bilder mit Polarlichtern und Sternenhimmel ein Composing.

Was heisst das aber im Bezug auf diese Bilder? War das jetzt gar nicht so? Ist das totaler Fake?

Da lautet die Antwort definitiv NEIN! Denn was ihr dort seht, ist so passiert. Ich bin mit meinen 28kg Gepäck die 2h zum Gletscher gelaufen, in der Nacht mit den Steigeisen in die Gletschermühle gestiegen und habe dort sowohl Gletscherhöhle wie auch Polarlichter fotografiert und vor allem erlebt...

Vor Ort musste ich aber feststellen dass die Gegebenheiten es erschwerten die Ganze Nacht dort zu fotografieren. So lag ich nämlich auf dem Grund der Mühle und hatte die Kamera wenige Zentimeter über dem Kopf. Dazu war es unmöglich ein durchgehend scharfes Bild aus einer Belichtung zu erhalten, geschweige denn mit der für Polarlichter nötigen Verschlusszeit.

Das war dann der Punkt an dem ich mich dazu entschloss die Kompositionen von den Höhlen so zu fotografieren dass sie meinen qualitativen Ansprüchen standhielten und verliess danach die Höhle um von ausserhalb die Polarlichter zu fotografieren.

Selbstverständlich hätte ich mich auch einfach mit einem halbwegs Scharfen und stark rauschendem Bild zufrieden geben können um im Nachhinein zu erzählen es ist ein "Single Shot". Anstelle dieser Aussage hänge ich aber lieber das Bild in FineArt Qualität an meine Wand, denn der Aufwand und die Erlebnisse dahinter waren dieselben.

Nach 4h unter der wohl schönsten Polarlichtshow die ich bisher erleben durfte, ging es zurück zum Biwak für ein paar zerquetschte Stunden schlaf.


Somit möchte ich euch nur auf den Weg geben, dass ein Composing nicht zwingend reine Fantasie ist und es auch dort unterschiedliche Herangehensweisen gibt. Es ist und bleibt mein grösster Anspruch eine natürliche Art der Fotografie zu betreiben, verbunden mit der künstlerischen Freiheit auch einmal Neues zu probieren und an die Grenzen zu gehen.

Ihr braucht aber keine Angst zu haben, ich werde auch in Zukunft immer draussen unterwegs sein um die Geschichten hinter den Bildern erleben und diese nicht nach Lust und Laune am Computer basteln!



Das Matterhorn / Wallis

Dies soll, nebst einem Einblick in die wundersame Welt der Gletscherhöhlen auch ein Statement sein, wie ich in der aktuellen Zeit zur Fotografie und Bearbeitungsprogrammen stehe.

Später dieses Jahr wird ein ausführlicher Blogpost erscheinen der sich rein diesem Thema widmet und mit Vorher / Nachher Bildern zeigen soll wie meine Arbeitsweise aussieht.



Liebe Grüsse, euer Lukas






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