Megapixel-Wahn oder Sensation - Die Sony A7RVI im Test


Mit dem Release der Sony A7RVI hat Sony eine echte Kampfansage gemacht, satte 66.8 Megapixel, 12 Blendenstufen Dynmaikumfang, 30 RAW Bilder pro Sekunde in voller Auflösung, Pre-Capture inkl. Fullres RAW, Autofokus mit KI Erkennung usw.
Diese Beschreibung liest sich etwas wie ein Wunschzettel, den ein Landschafts-, ein Wildtier- und ein Sportfotograf geschrieben haben und keiner der drei gedacht hätte, das so etwas möglich ist.
Doch hier ist sie nun und jeder kann sie sich ab sofort im Laden kaufen, die Sony A7RVI.
Als begeisterter Nutzer der Sony A1II nimmt es mich natürlich besonders wunder, wie sich die neue im Vergleich zum Top Model schlägt. Entsprechend widmet sich dieser Blogbeitrag nebst dem Test der Sony a7rVi auch immer dem Vergleich zur A1ii. Wer sich für einen Vergleich zwischen Sony A7V und A7RVI wünscht, dem empfehle ich HIER meinen umfassenden Blogbeitrag zur A7V zu lesen. Einen extra Beitrag dazu werde ich nicht verfassen, da ich selber keine der beiden Kameras besitze und diese jeweils für die Tests von Sony Schweiz und im aktuellen Fall von P&M PHOTO MEDIA in Luzern zur Verfügung gestellt bekomme. An dieser Stelle ein grosses Dankeschön für diesen Support!
DISCLAIMER: Für den Zeitaufwand dieses Test sowie das Erstellen des aktuellen Blogbeitrages werde ich von Sony Schweiz / P&M PHOTO MEDIA Luzern AG bezahlt, dies hat aber keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieses Berichts. Alles was in diesem Blog geschrieben wird, ist und bleibt auch in Zukunft meine ehrliche Meinung.
Wie die letzten Beiträge möchte ich auch dieses Mal in mehreren Teilen arbeiten. Da ich die Kamera die letzten Wochen primär für die Landschafts- und Astrofotografie genutzt habe, lasse ich den Teil mit der Tierfotografie diesesmal aber weg. Dazu findet ihr im Netz genügend Reviews von reinen Tierfotografen.
Viel Spass beim lesen dieses Real Live Reviews!
Eine Kamera für Alles, gibt es das und
wenn ja, ist es die Sony A7RVI?
Ich scheine mich nun wirklich zu wiederholen aber diese Frage ist für die neue Sony A7RVI genauso Relevant wie für die beiden letzten neuen Kameras der Sony Alpha Serie. Die neue A7RVI deckt dabei soviele Bereiche ab, dass man sich etwas fragt, welche Zeilgruppe Sony damit nun wirklich ansprechen möchte. Zu Beginn nochmal geordneter ein paar Fakten zur Kamera:
Gewicht: 713g
Auflösung: 66.8 MP
Auflösung Video: bis 8K 30p
ISO: 100 - 32'000
Serienbildgeschwindigkeit: 30fps RAW
Fokussystem: 759 AF Messfelder mit autoatischer Motiv und Augenerkennung
Preis: CHF 4'399.-
Der erste Eindruck der Sony A7RVI
Wer bereits eine Sony der neueren Generationen besitzt, der fühlt sich direkt Zuhause. Das Gehäuse, sowie die Knöpfe und das wirklich gut gestaltete Klappdisplay wirken allesamt hochwertig und robust. Es bleiben keine Zweifel, dass auch die neue Sony A7RVI widrigen Bedingungen standhält und nicht beim ersten Regentropfen in den Fotorucksack muss. Neu gibt es sogar beleuchtete Knöpfe auf der Rückseite!
Wie schon bei der A7V gefällt mir die Haptik des kleineren Sony Gehäuses einfach nicht so gut wie das etwas massigere Gehäuse der neuen 9er und 1er Serie. Wenn ich die Kamera einige Minuten in der Hand halte oder mittrage, dann spüre ich das deutlich schneller als bei der A1II. Trotz des höheren Gewichts der "grossen" Kamera liegt sie einfach besser in der Hand.
Auch in Kombination mit der rotierbaren Kameraplatte von Leofoto, die ich sehr gerne und oft nutze, haben meine Finger zu wenig Platz und die Kamera liegt zur Freihandfotografie nicht mehr wirklich gut in der Hand. Das ist aber auf jeden Fall Geschmacksache und hat mit der Funktionalität der Kamera an sich nichts zu tun.
Display und Sucher sind wie bei den letzten Modellen von Sony sehr gut umgesetzt und ich finde beides wurde nochmal verbessert.
Auch der für mich wichtige Sensorschutz wurde von Sony in der A7RVI verbaut und hilft enorm, den Sensor besser vor Staub zu schützen. Nach wie vor muss diese Funktion zuerst im Menü unter dem Punkt "Anti-Staub-Funktion" aktiviert werden, das lohnt sich auf jeden Fall zu prüfen wenn du dir die Kamera neu kaufst!
Ganz toll finde ich die, wie bereits bei der A7V integrierte Option, die Wasserwaage und das Histogram auf ein und dem selben Live View Bild darstellen zu können. Diese Funktion ist unglaublich praktisch. Auch im Sucher wird die Wasserwaage neu ganz unauffällig und permanent am unteren Bildrand angezeigt, ein echter Gamechanger für mich!
Vom Tastenlayout her hat sich beim neuen Gehäuse ebenfalls etwas verändert, neu ist eine Taste zur Aktivierung der Tastenbeleuchtung auf der Oberseite des Gehäuse dazu gekommen. Wer, wie ich, seine Tasten auch im dunkeln und ohne Beleuchtung findet, der hat jetzt nochmal einen zusätzlichen Knopf zur individuellen Belegung erhalten, das ist auf jeden Fall Spitze gelöst und sehr willkommen, da der Knopf an einer ausgezeichneten Stelle platziert wurde.
Was sich weiter verändert hat, ist der Akku. Für alle die schon mit Sony unterwegs sind gibt es an dieser Stelle eine gute und eine schlechte Neuigkeit. Die schlechte ist, eure alten Akkus passen nicht mehr, ihr müsst definitiv neue kaufen. Die gute Nachricht, der Akku hält wirklich viel länger, wodurch du sicher 1-2 Akkus weniger kaufen musst als früher.
Dazu aber weiter unten mehr...
Nun tauchen wir ohne weitere Umschweife in den Test unter realen Bedingungen ein.
Landschaftsfotografie mit der Sony A7RVI

Wie oben bereits erwähnt, frage ich mich bis Heute, wen Sony mit dieser Kamera genau ansprechen möchte. Für mich als Landschaftsfotografen sind weder 30 Bilder Pro Sekunde, noch ein ausgeklügeltes Autofokus System mit Motiverkennung wichtig. Was ich möchte, ist in erster Linie eine hohe Bildqualität, im Idealfall noch mit einer hohen Auflösung. Die Auflösung war und ist für mich nach wie vor zweitrangig. Viel wichtiger ist für mich ein ansprechendes Rauschverhalten und ein grosser Dynamikumfang. Genau deshalb schätze ich meine A1II so sehr.
Beim Dynamikumfang punktet die A7RVI zum ersten Mal so richtig. Mit mehr als 12 Blendenstufen, lässt sich aus den RAW Files dieser Kamera unglaublich viel herausholen, ohne dass die Qualität übermässig leidet. Wie sieht das aber in der Praxis aus?
Dazu hier ein Beispiel:


Du siehst also auf beeindruckende Art und Weise was aus den RAW Daten herausgeholt werden kann. Richtig interessant wird es aber wenn wir auf 200% vergrössern und das Rauschen der aufgehellten Version (erstes Bild) mit einer vor Ort heller belichteten Version (zweites Bild) vergleichen, bitte anklicken zum Vergössern:
Weil sich die Eisblöcke wegen dem Wind am See bereits bei 2.5 Sekunden Belichtungszeit verschoben haben, wirkt der rechte Bildausschnitt etwas unscharf. Versuche dich hier aber ausschliesslich auf das Bildrauschen zu konzentrieren. Klar die aufgehellte Version rauscht deutlich mehr, aber ich bin wirklich beeindruckt wie gut die Aufnahme aussieht! Wohlgemerkt, hier wurde noch keine Art von Rauschreduzierung angewendet, das sind die Standardwerte aus Adobe Camera RAW wenn du die Kamera gerade neu gekauft hast und das erste Bild öffnest!
Um diese Menge an Bildrauschen zu reduzieren benötigst du nicht einmal eine KI Lösung, das kriegt man konventionell noch ziemlich gut in den Griff und das Bild liesse sich so auch gut drucken.
Was mir besonders gefällt, das Farbrauschen ist quasi inexistent und auch Banding konnte ich in keiner Weise feststellen.
Nun der erste Vergleich zur Sony A1II. Etwas mehr als einen Monat vor dem jetztigen Test, hatte ich mit der A1II an der selben Fotolocation eine ganz ähnliche Situation mit harten Kontrasten. Damals konnte ich folgendes Bild aufnehmen und habe es anschliessend mit den selben Einstellungen bearbeitet wie das Bild von der A7RVI:
Wenn wir nun erneut einen 200% Ausschnitt von dieser Aufnahme (erstes Bild A1ii) mit dem vorherigen der A7rVi (zweites Bild) vergleichen, sehen wir, was das Rauschverhalten anbelangt so gut wie keinen Unterschied. Die beiden Kameras spielen hier also wirklich in der selben Liga.
Trotz dieser herausragenden Leistung hatte ich in der Nachbearbeitung mehrfach den Eindruck, dass sich die Files der A1ii einfacher entrauschen lassen als die der neuen A7RVI. Auf irgend eine Weise schient das Rauschen bei der A7RVI wie durch Mikrokontraste verstärkt zu werden. Das führt in erster Linie zu einem schärfer wirkenden Bild, wirkt sich aber in der Rauschreduzierung/Nachschärfung eher als Nachteil aus. Besonders mit der KI Entrauschung hatte ich einige Male Probleme, dass gewisse Teile vom Bildrauschen als Inhalt erkannt und nicht entfernt sondern hervorgehoben wurden. Das passiert bei den Files der A1II deutlich weniger. Hier wäre mir ein etwas weniger "aggresiver" Look deutlich lieber.
Dennoch bleibt festzuhalten, die Sony A7RVI liefert unglaubliche Bilddaten mit denen ohne Einschränkungen gearbeitet werden kann.
An dieser Stelle noch ein sehr interessanter Input.
Während die A1II noch unkomprimierte RAW Dateien unterstützt, verzichtet Sony bei der A7RVI auf diese Möglichkeit. In Anbetracht wie gut die Bilder aussehen ist das wirklich genial, denn trotz fast 17 Millionen Pixel mehr, werden dadurch die Files der A7RVI im Schnitt zwischen 10-20MB kleiner als diejenigen der A1ii und das ohne wirkliche Qualitätseinbussen.
Bei meinen Tests stellte ich eine Spannweite von 76-102MB pro Bild fest. Woher die Spannweite kommt weiss nicht, mir scheint aber, dass Files mit höheren ISO Werten deutlich grösser werden. So hat eine Aufnahme mit ISO 100 eine Dateigrösse von 77 MB und eine andere Aufnahme vom identischen Motiv mit ISO 25'600 hat 102MB.
Mechanischer VS Elekrtonischer Verschluss
Wie schon bei der kleineren A7V nutzt Sony bei der A7rVi eine Technik namens DGO oder ausgeschrieben Dual Gain Output. Doch um was handelt es sich dabei?
Ohne Ingenieur Hintergrundwissen und ohne die genauen Prozesse zu kennen, lässt sich DGO wie folgt beschreiben. Moderne Kameras nutzen schon seit vielen Jahren sogenannte Dual Gain Sensoren/Methoden. Dabei werden die Bilddaten bei zwei festgelegten ISO Werten unterschiedlich ausgelesen/verarbeitet.
Der Low Gain Modus wird im Fall der Sony A7RVI von ISO 100-500 genutzt. Ab ISO 640 kommt der High Gain Modus zum Einsatz. DGO oder Dual Gain Output nutzt nun beide dieser Auslese-/Verarbeitungsmethoden gleichzeitig. Das Resultat ist ein wesentlich rauschärmeres Ausgangsbild ohne dabei eine Kamera interne Rauschreduzierung anzuwenden, die wiederum feine Details beeinträchtigen würde.
Die ganze Geschichte hat einen einzigen Haken, bei der Sony A7RVI wird dieser DGO Prozess, wie schon bei der A7V ausschliesslich bei der Nutzung vom mechanischen Verschluss angewendet. Für uns Landschaftsfotografen dürfte das kaum ein Problem darstellen, da wir gut mit dem Geräusch des Verschlusses arbeiten können. In der Tierfotografie entfällt diese Option jedoch in den meisten Fällen.
Um diesem Kontext etwas mehr Ausdruckskraft zu verleihen, habe ich unten Beispielbilder von der A7V (nicht A7RVI!) eingefügt.
Die hier gezeigten Bilder sehen auf den ersten Blick und der reduzierten Bildgrösse recht identisch aus. Aus diesem Grund habe ich unten nochmal eine Aufnahme eingefügt, die den Unterschied zwischen elektronischem und mechanischem Verschluss bei ISO 800 sehr deutlich zeigt:

Um ganz ehrlich zu sein, ich hatte mir bei der A7RVI einen ähnlich ausgeprägten Effekt vorgestellt und wurde positiv enttäuscht. Wann passiert denn bitte so etwas?!
Der Effekt ist bei der Sony A7RVI viel schwächer ausgeprägt als ich das erwartet habe und ich musste die RAW Files akribisch auf Unterschiede untersuchen. Das heisst also konkret, es macht bei der A7RVI keinen allzu grossen Unterschied mehr, ob du mit mechanischen oder elektronischem Verschluss arbeitest, das Rauschnverhalten bleibt in jedem Fall exzellent!
Anbei nun noch ein Vergleich zweier 200% Ausschnitte der A7RVI vor dem zweiten ISO Gain Punkt bei ISO 500. Um den Unterschied besser zu sehen, habe ich bei beiden Bildern die standardmässige Farbrauschreduzierung auf null gestellt. Das erste Bild ist mit mechanischem Verschluss aufgenommen und wirkt etwas heller und rauschärmer als die zweite Aufnahme.
Manueller Verschluss Elektronischer Verschluss
Als Fazit kann ich für die Landschaftsfotografie sagen, an dieser Kamera gibt es nichts, das mich wirklich stört und ich kann sie absolut empfehlen. Die Bildqualität ist extrem gut und es macht richtig Spass die Dateien zu bearbeiten!
Astrofotografie mit der Sony A7RVI

Für die Nachtfotografie hatte ich mit der Sony A7RVI so meine Zweifel. Im Normalfall lässt sich nämlich die Low-Light-Sternenfotografie nicht wirklich gut mit Kameras im high Megapixel Sektor vereinen. Da sich aber auch meine A1ii mit 50MP sensationell für die Sternenfotografie eignet, wollte ich das mit der neuen Kamera natürlich ebenfalls testen.
Bereits im Juni hatte ich die Kamera auf einer Bergtour dabei, um die Milchstrasse zu fotografieren. Dabei war ich ziemlich von der hohen Auflösung angetan. Damals versuchte ich erst ohne Astro-Tracker zu fotografieren und da wurde mir schnell klar, die hohe Auflösung hat ihren Preis. Mit knapp 67MP reduziert sich die maximale Belichtungszeit (bevor Sterne nicht mehr als Punkte sondern als Striche abgebildet werden) um ein paar wenige Sekunden. In der Nacht, wo sowieso jedes bisschen Licht zählt, sind diese Sekunden ein grosser Verlust, der sich mit nur sehr hohen ISO Werten, einer schnelleren Linse (z.B einem 14mm F1.8 GM) oder eben einer Nachführung ausgleichen lässt.
So erreiche ich ohne technische Hilfsmittel mit 15mm noch eine maximale Verschlusszeit von 13-15 Sekunden. Als Vergleich, mit einer Sony A7V komme ich unter den selben Umständen noch auf 20-25 Sekunden Belichtungszeit.
Abgesehen von diesem kleinen Nachteil lässt sich die Sony A7RVI ohne jegliche Problem bis zu ISO 8'000 nutzen, ohne dass man allzu grosse Einbussen wegen dem Bildrauschen eingehen muss. Nachteil, wegen der kürzeren maximalen Verschlusszeit ist man sehr schnell an dieser Grenze angelangt.

Am Aletschgletscher war ich nun erneut und mit Nachführung unterwegs, um die Milchstrasse über dem Gletscher zu fotografieren. Die Idee war ein Panorama mit 35mm aufzunehmen. Mit grossem Glück verzogen sich die Wolken genau zum richtigen Zeitpunkt und gaben den Blick auf die Milchstrasse frei, als sie genau an der richitgen Stelle stand. Was weniger praktisch war, der im selben Augenblick auffrischende Wind, der ein arbeiten mit Nachführung schier unmöglich machte.
Nach einiger Suche gelangte ich hinter einem Felsblock doch noch in den Windschatten, stellte mein Setup erneut auf und begann zu fotografieren. Mit noch immer leichtem Wind kam ich ohne Verwackler nicht über 45 Sekunden Belichtungszeit hinaus, das war aber bereits mehr als genug!
Unter diesen schwierigen Bedingungen gelang am Ende doch noch das erhoffte Bild. Wenn wir uns zwei 100% Ausschnitte aus diesem Bild ansehen, gibt es keine Zweifel, dass sich die Sony A7RVI mit dem richtigen Equipment auch sehr gut für die Astrofotografie eignet.
Der Vergleich - Sony A7RVI VS A1II
Selbstverständlich liess ich es mir nicht nehmen, diese beiden Spitzenkameras 1:1 zu vergleichen. Ohne all zu viele Worte möchte ich dir anbei einige Vergleichsbilder, respektive 100% Ausschnitte mit unterschiedlichen ISO Werten zur eigenen Interpretation zur Verfügung stellen.



Die helle Überwachung - ein umfassendes Update
Etwas, dass mir bereits beim ersten Test auffiel, war die Anpassung der Funktion "helle Überwachung". Diese ohnehin extrem nützliche Funktion, welche die Sony Kamera quasi in ein Nachtsichtgerät verwandelt, wurde bei der A7RVI im stillen Kämmerchen umfassend angepasst. Neu erscheint sie im normalen Menü, sie lässt sich bei aktiver Fokusvergrösserung aktivieren/deaktivieren und funktioniert jetzt sogar bei Verwendung von AF-S. Das sind für mich alles Verbesserungen die ich mir seit zwei Jahren bei meiner A1II gewünscht habe!
Was mir dann während dem 1:1 Vergleich zwischen A7RVI und A1II deutlich aufgefallen ist, ist eine Reduktion der Gesamtaufhellung. Es scheint, als würde eine dieser neuen Anpassungen oder der neue Sensor die Leistungsfähigkeit der Aufhellung reduzieren, sodass sich der Gesamtnutzen der Funktion deutlich reduziert.
Nachfolgen findest du Vergleichsbilder die diese Feststellung verdeutlichen. Das erste Bild ist ein Screenshot der A1II, das zweite ist von der A7RVI. Für beide Vergleichsbilder wurde jeweils das Sony 16-35mm F/2.8 GM benutzt.
*UPDATE: Nach einer kurzen Nachfrage bei Sony erhielt ich die Information, dass bie der Hellen Überwachung neu die zwei Modi Hell und Heller zur Verfügung stehen und wir zudem den Fokusbereich eingrenzen können. Um diese Einstellung vornehmen zu können, müssen wir die Funktion über das normale Kameramenü einschalten und dann unsere Einstellungen vornehmen. Wann immer wir nun die Helle Überwachung mittel Custom Button einschalten, werden diese Einstellungen angewendet.
Leider habe ich diese Information erst nach meinem Feedback und somit nach dem Test erhalten und kann daher nicht sagen, ob das den Hellikeitsunterschied total ausgleicht, ich vermute aber dass dem so ist.
Anbei noch ein Foto wie diese Einstellung auf der Kamera aussieht:

Der Akku
Wie zu Beginn dieses Blogs erwähnt hat die Sony A7RVI einen neuen Akku mit mehr Power sowie neuem Formfaktor inkl. neu angeordneter Pins bekommen. Entsprechend passt der neue Akku nicht in alte Gehäuse und alte Akkus nicht in das neue.
Als ich die ersten Spezifikationen der A7RVI gelesen habe, war das für mich, der erst vor gut 1,5 Jahren auf Sony gewechselt hat, ein erster Dämpfer. Nicht nur die neue A7rVi wird wohl diesen Akku erhalten, sondern auch alle weiteren Modelle und somit wird für mich ein Austausch von 8 Akkus oder ein paralleles Arbeite mit zweierlei Akkus irgendwann zur Realität.
Nach erster Skepsis hatte ich bereits im Mai eine Kundin mit der neuen Kamera auf einem 1:1 Birkhahnbalz-Workshop und somit meinen ersten Kontakt mit der Kamera und dem Akku. Nachdem ich, der eher passiv fotografiert und mehr instruiert hat, den zweiten Akku einsetzen musste, war meine Kundin bei ihrer A7RVI noch bei 60% Batteriekapazität!
Das war für mich ein erster kleiner Schock der sich auch in meinem zweiwöchigen Test wiederholen sollte.
Von Sony und P&M PHOTO MEDI Luzern AG hatte ich nebst dem Body auch zwei der neuen Akkus erhalten. Normalerweise gehe ich nie mit weniger als drei Batterien auf eine zweitages Bergtour, doch hier war ich nun, ohne eine Alternative auf mehr Batterien.
Gut vorbereitet und mit der grossen Powerbank für den Notfall stieg ich die gut 900 Höhenmeter zur ersten Location auf und verbrachte einen Abend, eine Nacht und einen Morgen am Bergsee. Das verrückte daran, wenn ich am Morgen keine 900 Bild-Timelapsesequenz aufgenommen hätte, wäre ich mit einer einzigen Batterie durch gekommen!
Das ist schon eine ganz neue Hausnummer und entschädigt für mich absolut den Wechsel auf das neue Akku-Format. Die nächsten beiden Trips war ich entsprechend sehr entspannt und hatte nie auch nur annähern Batterie Engpässe, selbst mit Timelapse Sequenzen und mehrminütigen Langzeitbelichtungen.
Ein grosses Kompliment geht an dieser Stelle an Sony, mit dem neuen Akku habt ihr wirklich tolle Arbeit geleistet!
Mein Fazit
Nach gut zwei Wochen kann ich eine Antwort auf die Frage am Anfang dieses Blogs geben und sie lautet erneut, Ja!
Die Sony A7RVI ist definitiv eine Kamera die man für jeden Bereich der Naturfotografie einsetzen kann und auch sie ist eine Alternative zur A1II.
Für mich als Landschaftsfotografen bietet diese Kamera wirklich alles oder besser gesagt, sie bietet deutlich mehr, als ich für meine tägliche Arbeit je brauchen werde. Sobald Themen wie die Tierfotografie dazu kommen, hat man mit der A7RVI auch in diesem Bereich eine mehr als hervorragende Kamera die kaum Wünsche offen lässt.
Die wenigen Abstriche wie das etwas schwieriger zu entfernende Bildrauschen würden mich in der Astrofotografie wohl etwas vom Kauf dieser Kamera abhalten. Für alle andere Bereiche und wenn das Handling des Gehäuse kein K.O. Kriterium ist, kann ich die A7RVI definitiv und mit gutem Gewissen empfehlen. Gerade wer aktuell eine A7IV oder eine A7RV besitzt, der bekommt it der A7RVI ein riesiges Upgrade.
Werde ich nun von der A1II auf die A7RVI umsteigen?
Nein, für mich ist die A1II nach wie vor das Mass der Dinge und sie bewältigt für mich wirklich alles, was ich zur Zeit fotografiere. Den Vorteil des leichter zu handhabenden Bildrauschen und der doch nochmal etwas schnellere Autofokus für die Tierfotografie machen die A1II für mich zur komplettesten Kamera die Sony im Line-Up hat. Den neuen Akku würde ich aber direkt nehmen, der macht wirklich Spass...
Ein paar Punkte gibt es vor einem Kauf allenfalls noch zu bedenken:
66.8 Megapixel erfordern hochwertige Linsen
Bei diesem Test kamen ausschliesslich GM Linsen von Sony zum Einsatz. Ich habe deshalb keine Referenz für qualitativ "minderwertigere" Objektive. Daher empfehle ich bei der Überlegung die Kamera mit solchen Linsen zu nutzen, zuerst die Kamera für ein Wochenende zu mieten und dann zu beurteilen ob beides zusammen passt.
Verwackelungen werden schneller sichtbar - stabiles Stativ und kürzere Verschlusszeiten notwendig
Entsprechend Speicherplatz und Rechenleistung von Vorteil, um mit den Files zu arbeiten.
Zum Abschluss habe ich nun noch ein kleines Best-Of mit Bilder der letzten zwei Wochen, viel Spass beim betrachten!
Herzlichen Dank hast du dir die Zeit genommen und bis hierher gelesen. Ich hoffe sehr der Beitrag hat dir neue Infos gebracht und hilft dir vielleicht bei deiner Entscheidung welche Kamera dich in Zukunft begleiten wird!
Melde dich bei Fragen gerne jederzeit bei mir via info@lukas-moesch.ch
Beste Grüsse
Lukas




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