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Nikon Z 400mm F2.8 TC - Die ultimative Linse?

Aktualisiert: 3. Juli

Nikon Z9 mit Nikon Z 400mm F2.8 TC / ©Nikon Europe
Nikon Z9 mit Nikon Z 400mm F2.8 TC / ©Nikon Europe

Das perfekte Supertele-Objektiv, existiert es?

Seit nun etwas mehr als einem halben Jahr besitze ich das Nikon Z 400mm F2.8 TC und habe mit ihm seinen Vorgänger das Nikon F 400mm F2.8 FL ED VR ersetzt.

Wie sich die neue Linse schlägt und wie sie meine Arbeit verändert hat, erfährst du in diesem Blogpost.

Zu Beginn aber erst ein paar Zahlen zum Objektiv:


Preis: CHF 16'499.-

Gewicht: 2.95kg

Abmessungen: Durchmesser 156mm / Länge ohne Gegenlichtblende 380mm

Vergütung: Nikon ED, Super ED und SR-Glas

Brennweite & Offenblende: 400mm F2.8 / 560mm F4.0

Naheinstellgrenze: 2.5m (@400mm & @560mm)

Fokusbegrenzung: FULL (unendlich bis 2.5m) + Unendlich bis 6m

Intergrierter Teleconverter: x1.4

Fokusmodi: AF / MF

Bildstabilisator: Bewegliche Linsengruppen mit Schwingspulenmotoren

Funktionststen: 5 Tasten + 2 Funktionsringe

Wenn man diese Daten so liest wird den meisten wohl schnell klar, was dieses Stück Technologie bewerkstelligen kann. Aber wie so oft müssen Zahlen nicht immer der Wahrheit entsprechen. Es gibt zu viele Beispiele bei denen im Labor die besten Resultate erzielt werden, diese in freier Wildbahn aber nichts nützen oder nicht erreichbar sind.

Darum gehe ich einmal mal quer durch meine Genres der Fotografie und zeige euch wie und wo das Nikon Z 400mm F2.8 TC bei mir zum Einsatz kommt, wie es sich schlägt und wo es allenfalls Probleme gibt. Zuerst aber noch ein paar Worte zum ersten Eindruck.



Der erste Eindruck


Als Besitzer des Vorgängers kannte ich bereits die unglaublich gute Verarbeitung der Profi Tele-Linsen und war sehr gespannt wie die Neue Linse in der Hand liegt und wie wertig sie ist. Der aller erste Moment nach dem Auspacken liess mich etwas erschrecken. Die fehlenden 900g machen sich extrem bemerkbar und verleihen der Linse auf den ersten Blick einen "billigen" Touch. Tatsächlich fühlt es sich so an, als hätte Nikon etwas vergessen, denn auch die vom F-System gewohnten goldenen Linien/Schriften fehlen auf der Z-Version. Doch nach einigen Minuten und spätestens beim ersten Einsatz verschwinden alle Zweifel.

Das Objektiv ist extrem gut verarbeitet, kein Knopf wackelt, kein Ring bewegt sich anders als zu erwarten. Auch die Sonnenblende und der Objektivschutz sind wie gewohnt hochwertig verarbeitet. Diese beiden Dinge ist dann auch mein erster Kritikpunkt an Nikon. Dazu aber mehr im Bereich Handling.


Der Switch für den Teleconverter ist dermassen gut platziert und ins Design eingearbeitet dass er gar nicht auffällt. Für meine normalgrossen Hände und mit einer angeschlossenen Nikon Z9 liegt er ideal und ist sehr ergonomisch erreichbar. Die Verstellung geht in Sekundenschnelle und wird zu einem echten Game Changer



Der Switch für den Konverter ist perfekt platziert / ©Nikon Europe
Der Switch für den Konverter ist perfekt platziert / ©Nikon Europe

Ansonsten hat sich zum Vorgänger einiges verändert was die Tasten, Schieberegler und Ringe angeht. So ist das "Bedienpanel" auf lediglich zwei Schieberegler reduziert worden, von vormals fünf. Weggefallen sind die Option zur Stummschaltung, die gesamten Bildstabilisierungsoptionen und die Memory Recall Option. Der Schritt diese Tasten zu entfernen scheint am Anfang unlogisch zu sein und kann etwas verwirren, doch mit den neuen Z-Kameras hat man soviele Möglichkeiten und Funktionstasten damit man sich all diese Funktionen an bessere Orte legen kann. Darüber hinaus entfällt ein ungewolltes verstellen beim hantieren im Feld. Die Reduktion glückt hier aus meiner Sicht.

Die Anzahl Funktionstasten wurde entsprechend von vier auf fünf erhöht und durch zwei zusätzliche Funktionsringe ergänzt. Einen kennt man bereits von den kleineren Z-Linsen, der andere fungiert als Wippschalter. Welchen grossen Nutzen diese Ringe für die Teleobjektive bringen, erläutere ich weiter unten.


Was mir direkt als grosser Nachteil aufgefallen ist, ist der aus meiner Sicht zu kleine und falsch positionierte Fokussierring. Hält man das 400er normal ans Auge und balanciert es aus, dann liegt die linke Hand exakt zwischen den beiden Funktionsringen und einiges zu weit weg vom Fokussierring. Beim Vorgänger lag die gesamte Handfläche am Fokussierring und ermöglichte dadurch ein schnelles manuelles Korrigieren der Schärfenebene.

Man braucht deswegen aber nicht gleich die Flinte ins Korn zu werfen und die Linse verteufeln, denn wie bereits erwähnt bietet das Z-System fast für alles eine ideale Lösung. So ist es auch in diesem Falle nach einem Software Update! Mehr dazu beim Thema Handling.


Nun tauchen wir aber in meine Hauptgebiete die Makro- und Tierfotografie ein und schauen wie sich das 400er so schlägt.



Makrofotografie


Als kleinen Hinweis muss ich hier erwähnen, dass das 400er bei mir ausschliesslich mit der Z9 verwendet wird, da ich aktuell keine andere Z-Kamera besitze.

Leistungsunterschiede beim Autofokus, der Geschwindigkeit und Ergonomie sind also möglich, wenn du eine Z6/7 besitzt.


Makrobilder entstehen bei mir zu 90% mit dem Nikon 400mm F2.8 und somit war meine Hoffnung in die neue Linse sehr gross. Mit der F-Mount Version hatte ich immer meine liebe Mühe was den Autofokus und die generelle Schärfeleistung anging. Wie bereits im Artikel über die Z9 beschrieben, hat sich das Fokus Problem mit dem Umstieg auf die Spiegellosen Kameras völlig erledigt. Der Kampf mit der Schärfe blieb aber bestehen und deshalb sehnte ich mich danach, dass mein im Frühjahr 2022 bestelltes Z 400mm endlich geliefert wird. Als es dann Anfang Winter 2022 endlich kam, war die Makro Saison leider noch in weiter Ferne...


Mit dem Beginn des Frühlings eröffnet sich jedes Jahr eine Spielwiese für mich als Naturfotograf und ich verbrachte viel Zeit bei den Hundszahnlilien und den Schachbrettblumen, das neue 400er immer im Einsatz.


Der Fokus ist mit dem Z 400mm F2.8 noch treffsicherer als mit der Vorgänger Version + FTZ Adapter. Die Geschwindigkeit ist sensationell und selbst im Dämmerlicht kann ich Freihand fotografieren. Die Kombination aus diesem Objektiv und der Z9 lässt im Bereich der Makrofotografie für mich keine Wünsche offen.

Die zusätzliche Möglichkeit den x1.4 Teleconverter so mühelos einzuschieben ermöglicht mir in der Makrowelt ungeahnte Möglichkeiten, die mir zuvor nicht einmal gefehlt haben und die ich jetzt nicht mehr missen möchte. Gerade bei besonders kleinen Blumen stellt die Naheinstellgrenze von 2.5m eine relativ grosse Barriere dar, erscheinen die Blumen doch recht klein auf dem fertigen Bild. Hier die Möglichkeit zu haben auf 560mm umzuschalten ist ein Luxus. Einerseits wird das Bokeh nochmal weicher durch die verstärkte Kompression und andererseits behält man die volle Auflösung von 45MP. Das fehlende Licht durch die Blende von F4.0 kommt lediglich bei Wind oder vorangeschrittenem Dämmerlicht zum tragen. Da wird es aber aufgrund der langen Brennweite selbst bei F2.8 schon schnell herausfordernd.


Die Gesamtleistung des Objektivs ist für meinen Einsatz hervorragend, egal ob bei 400mm oder 560mm. Der eingebaute Konverter liefert ganz neue Möglichkeiten ohne dabei massgeblich die Bildqualität zu beeinträchtigen. Auch der Fokussierring fällt für diesen Einsatzbereich nicht nachteilig auf, da die Linse entweder auf dem Stativ montiert wird oder auf dem Boden aufliegt.


Den einzigen Nachteil den ich nennen kann, ist dass es nach wie vor nicht möglich ist die Teleobjektive direkt mit einem Arca Swiss Stativfuss zu bestellen. Wieso das nach wie vor bei keinem Hersteller möglich ist, verstehe ich nicht. Möchte man sein 16'000.- teures Objektiv nun auf ein Stativ montieren, bleibt einem nichts anderes als eine passende Stativplatte zu besorgen oder sich einen entsprechenden Stativfuss von Drittanbietern zu kaufen. Schade kann dies nicht bei der Bestellung angegeben/ausgewählt werden.



Pro: - Schneller Fokus

- Treffsichereit Autofokus

- Bildstabilisator

- Telekonverter


Contra: - Stativplatte nötig




Links 400mm F3.5 / Rechts 560mm F4.0



Panorama aus 8 Bildern @400mm F4.5
Hundszahnlilie im Morgenlicht / Panorama aus 8 Bildern @400mm F4.5

 

Tierfotografie


Um Tiere zu fotografieren braucht es eine Kamera mit einem guten Autofokussystem und ein Objektiv, dass diese Leistung umsetzten kann.

Ob dies mit dem neuen 400er der Fall ist, liest du hier.


Zu erst muss ich noch erwähnen, dass selbst das alte Nikon 400mm F2.8 FL ED VR einen wirklich grandiosen Job erledigt hat in Kombination mit der Z9. Doch performt das Z 400mm F2.8 in fast jedem Bereich um einiges besser. Sei es nun die AF-Geschwindigkeit, der Bildstabilisator oder die Bildschärfe. Jeder wichtige Faktor wurde für mich und meinen Einsatzbereich verbessert und dass auch ohne Einbezug des x1.4 Konverters. Wenn man diesen noch dazu zieht, scheint ein Vergleich fast unfair.

Man muss an dieser Stelle vielleicht auch kurz auf den hohen Preis dieser Linse eingehen. Was die meisten vergessen, ist dass auch das 400mm F2.8 FL ED VR bei Markteinführung 2014 zwischen 13'000.- bis 14'000.- gekostet hat. Für die Verbesserungen, das reduzierte Gewicht und den zusätzlichen Konverter zahlt man Heute 2023 16'499.-. Das ist natürlich extrem viel Geld und einiges mehr als wenn man früher einen externen x1.4 Konverter dazu gekauft hat, aber wenn man es ins Verhältnis setzt und auch die Teuerung bei allen anderen Gütern seit 2014 anschaut, ist dieser Preis tatsächlich gerechtfertigt.


Jetzt aber weg vom Preis und hin zur Wildtierfotografie. Was mir direkt aufgefallen ist beim ersten Einsatz, ist wie genau der Augen AF der Z9 hier trifft und wie schnell ein Motiv erkannt wird. Da merkt man eine deutliche Verbesserung. Bei schwierigem Licht oder anspruchsvollen Motiven, bei denen sich die Augen nicht sehr stark abheben, hat auch diese Kombination zum Teil etwas Mühe. Doch gerade in Verbindung mit einer Z9/Z8 findet sich immer ein Fokusmodus der für die Aufgabe geeignet ist. Klar jetzt denkst du vielleicht es geht doch wieder nur um die Kamera hinter der Linse aber das stimmt nicht. Genau hier punktet das Z 400mm mit seinen Funktionstasten und dem "Wippen-Ring". Durch eine geschickte Belegung dieser Bedienelemente wird es nämlich möglich, in Sekundenschnelle vom Tracking Modus in einen Statischen Modus umzuschalten. Die Möglichkeit hat mir bei mehreren Gelegenheiten tolle Bilder beschert die ich sonst ganz sicher verpasst hätte. Mit dieser Möglichkeit lässt sich auch auf einer Z6/Z7 oder Z6II/Z7II zwischen verschiedenen Fokusmodi umschalten und somit die Leistung erweitern.


Ein Punkt der mir mit diesem Objektiv sehr klar wurde, ist die Bewegungsunschärfe. Wenn ich mit einer Auflösung von 45MP und einer derartig gestochen scharf abbildenden Linse wie dem Nikon Z 400mm F2.8 TC fotografiere, dann sehe ich einfach jede Unschärfe. Was bei gutem Licht und relativ statischen Motiven ein Segen ist, wird mit schwindendem Licht und aktiven Tieren zur Hölle. Schon beim Vorgänger war ich mir dieser Thematik bewusst doch vermochte die "Softness" der F-Mount Linse einiges zu kaschieren. Dieser Effekt verliert sich mit den neuen Linsen und man muss viel genauer und bedachter vorgehen wenn es um die Kamera Einstellungen geht. Primär die Verschlusszeit wird zum Hauptkriterium für scharfe Bilder und es ist wichtig sich dessen bewusst zu sein. Mittlerweile ist mein bester Tip, sich voll und ganz auf die Verschlusszeit zu konzentrieren und die ISO-Automatik den Rest machen zu lassen. Wie das genau geht und welche Einstellungen ich dazu benutze, vermittle ich auf meinen Wildtier Workshops oder bei 1:1 Coachings. Hier profitierst du aus erster Hand von meinem Know-How und meinen Erfahrungen.


Alles in Allem kommt für mich keine andere Brennweite als 400mm in Frage wenn es um Wildtiere geht. Jetzt mit dem eingebauten x1.4 Konverter stellt sich mir diese Frage erst recht nicht mehr. Ein 600er oder gar ein 800er sind zwar Spitzenklasse für Vögel, Eisbären etc., doch wenn es um heimische Säugetiere oder Birkhähne geht, steht man mit so einer Linse sehr oft zu dicht bei den Tieren. Dazu kommt die noch grössere Einschränkung bei den Verschlusszeiten und die erhöhte Schwierigkeit Tiere im Suchfeld zu behalten.


Um die Qualität des eingebauten Konverters etwas aufzuzeigen, habe ich diese Beispielbilder aufgenommen. Sie sind ein direkter Vergleich zwischen 400mm und 560mm, jeweils bei Offenblende fotografiert.

400mm F2.8 300% Ausschnitt

560mm F4.0 200% Ausschnitt



Für alle die ein Super Teleobjektiv mit maximaler Flexibiltät und bester Lichtstärke suchen, ist das neue Z 400mm F2.8 TC genau die richtige Wahl und ein mehr als würdiger Nachfolger.

Wem diese Klasse von Objektiv zu teuer, zu schwer und zu gross ist, für den ist allenfalls das kleinere Nikon Z 400mm F4.5 eine Alternative.




©Nikon Europe
©Nikon Europe



Thema Konverter. Immer wieder taucht die Frage auf, wie sich dieses Objektiv mit einem zusätzlichen externen Konverter schlägt. Hierzu kann ich leider nur das Resultat mit einem x2.0 Konverter beisteuern, da ich keinen externen x1.4er besitze.

Ist der x2.0 Konverter angeschlossen und die Brennweite auf 800mm erhöht, erhält man noch immer ein recht scharfes Bild. Der Schärfeverlust wird hier aber schon einiges besser sichtbar als "nur" mit dem intergrierten x1.4 Konverter. Mit etwas Abblenden bekommt man durchaus brauchbare Bilder und mit genügend vorhandenem Licht, bleibt sogar die ISO Zahl in einem normalen Rahmen.

Schaltet man nun zusätzlich noch den integrierten x1.4 Konverter dazu wird der Qualitätsverlust deutlich bemerkbar. Nach wie vor sind auch mit dieser Kombination brauchbare Bilder zu erzielen, dazu sind aber perfekte Bedingungen notwenig und es reicht mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht für einen ordentlichen Druck als FineArt Wandbild. Bei 1120mm wird zunehmen das Luftflimmern zum Problem, gerade wenn das Motiv sehr weit entfernt ist.

Generell lässt sich sagen, ein Konverter ersetzt keine perfekte Platzierung zum Hauptmotiv und ein zweiter umso weniger. So darf man nicht erwarten, dass der Einsatz solcher Konverter Kombinationen das Heranpirschen und die ideale Platzierung vor Ort überflüssig machen. Es ist nach wie vor der Schlüssel sein Motiv zu kennen, zu wissen wo es sich zeigt und entsprechend den idealen Ansitz zu finden. Auch ausreichende Tarnung und ein ruhiges Verhalten kann man nicht durch mehr Brennweite kompensieren, zumindest nicht bei gleicher Bildqualität.


Diese Aufnahme wurde am Klingauer Stausee bei düsterem Licht und Schneefall mit 1120mm aufgenommen. Es ist durchaus ein tolles Stimmungsbild, doch die Schärfe, sowie die gesamte Bildqualität leidet sichtbar.


Stockente im See
Stockente im See

Pro: - Schneller Fokus

- Treffsichereit Autofokus

- Bildstabilisator

- Telekonverter


Contra: - Gewisse Einschränkungen beim Autofokus in schwierigen

Situationen, was aber nicht zwingend am Objektiv liegt.



Hier ein paar weitere Beispiele von Wildlife Aufnahmen, die mit dieser Linse aufgenommen wurden.



Birkhahn im Morgenlicht
Birkhahn im Morgenlicht



 

Handling



Einer der wichtigsten Punkte im Umgang mit grossen und schweren Objektiven ist deren Handling, sprich die Benutzerfreundlichkeit.


Wie oben bereits erwähnt, ist für mich der Fokussierring total missraten. Die Position ist sehr schlecht gewählt und er ist schlichtweg zu klein, um ihn mit Handschuhen zu greifen.

Wo Nikon diesen "Bock" aber ausbügeln kann, ist mit dem Funktions-/Einstellring. Denn nach einem Firmware Update der Kamera + Objektiv, erscheint im Individual Menü der Z9 plötzlich die Option F11 - Fokussier-/Einstellring vertauschen. (Die selbe Funktion müsste auch bei den kleineren Z Kameras im Menü zu finden sein.) Das heisst nun wird der ehemalige Einstellring auf den man ISO, Blende oder Belichtungskorrektur legen kann zum Fokussierring. Und dieser Einstellring liegt exakt dort, wo ich immer meine Hand platziere um das Objektiv zu halten. Nun liegt die Hand auf dem Ring und durch die erweiterten Einstellungsmöglichkeiten, kann ich mit einer 90 Grad Drehung dieses Rings den gesamten Fokusbereich bedienen. Sollte mir also ein Motiv aus dem Fokus fallen, so bin ich innert kürzester Zeit wieder am Start und kann dem Autofokus auf die Sprünge helfen.

Der ehemalige Fokussierring wird so zum Einstellring der bei mir deaktiviert ist. Daudurch bleibt er ungenutzt und ich verhindere das unbeabsichtigte Verstellen weiterer Einstellungen. Die einzige Schattenseite dieser Einstellung ist, dass diese Funktion nun für alle Z-Objektive gilt die einen solchen Einstellring besitzen. Da bisher das 400er das einzige Objektiv ist, bei dem ich diese Option einsetzen musste, wird die Bedienung der anderen Linsen etwas ungewohnt oder die Menüeinstellung muss bei jedem Wechsel zurückgestellt werden. Hier wünschte ich mir von Nikon, dass diese Funktion für jedes einzelne Objektiv eingespeichert werden kann, dann wäre es für mich die perfekte Lösung.




Nikon Z 400mm F2.8 TC / ©Nikon Europe
Die Beiden Funktionsringe sind direkt hinter der Funktionstaste, dort wo das Objektiv ausbalaciert auf der Hand liegt ©Nikon Europe



Ansonsten liegt das 400er wirklich sehr gut in der Hand und es lassen sich ohne Probleme lange Handheld-Sessions realisieren. Generell benutze ich dieses Objektiv und auch schon den Vorgänger nur sehr selten auf dem Stativ! In den Bergen wandere ich häufig mit dem Objektiv in der Hand oder umgehängt über mehrere Stunden. Das geht problemlos.

Aus diesem Grund habe ich die ersten Monate auch den grössten Schwachpunkt meines 400er nicht bemerkt. Leider kann ich bei meiner Version die Stativschelle nicht so arretieren, dass sich das Objektiv nicht mehr dreht. Es bleibt immer etwas Spiel, was bei Langzeitbelichtungen für Landschaften oder Sterne ein echtes Problem darstellt. Natürlich ist es nicht mein Haupteinsatzgebiet, aber dennoch muss so etwas bei einem derart teueren Produkt funktionieren. Laut Internet Recherchen taucht dieses Phänomen auch bei einigen anderen Nutzern auf, jedoch sind nicht alle Besitzer davon betroffen, oder viele merken es überhaupt nicht. Von Seiten Nikon gibt es diesbezüglich noch keinen Lösungsansatz und ich warte nach wie vor auf eine endgültige Antwort wie dieser Fehler behoben werden kann.


Ein weiteres Manko, dass mich schon beim Vorgänger gestört hat, ist die Originale Sonnenblende und der Objektivschutz. Hier haben es alle grossen Kamerahersteller verpasst, eine wirklich gute Lösung zu finden. Immerhin ist der neue Schutz nur noch halb so gross und umständlich wie der von der F-Mount Version, doch in Kombination mit dem Lenscoat Cover ist er nicht zu gebrauchen. Die "Haube" ist so eng geschnitten, dass es mir den Überzug jedesmal total zerknittert und vom Objektiv zieht, zudem bekomme ich den Schutz kaum über die Sonnenblende. Ein paar Millimeter mehr Stoff würden hier ganz sicher helfen, da doch wieviele Berufskollegen die selben Lens Cover benutzen.

Weiter geht es mit der Sonnenblende. Wieso es Nikon nicht möglich ist, auch hier einen anständigen Bajonettverschluss zu realisieren ist mir unklar, doch die Lösung mit der Klemmschraube hat mir noch nie wirklich getaugt. Wenn man sich schnell Vorbereiten muss, oder das Motiv unerwartet auftaucht, verliert man hier soviel unnötige Zeit. Da kann der Moment gut und gerne einmal vorbei sein bis alles ready ist.


Glücklicherweise gibt es in diesem Bereich sensationelle Abhilfe. Der Amerikaner Karl Zemlin von Zemlin Photo produziert für nahezu jedes Teleobjektiv auf dem Markt eine passende Sonnenblende und einen passenden Objektivdeckel. Ich nutze beides nun seit mehreren Monaten und frage mich noch immer wie ich das beim Vorgänger ohne gemacht habe. Es ist soviel einfacher mit diesen beiden Accessoires und darüber hinaus wird das Packmass nochmal ganz minim verkleinert. Nun bringe ich meine Z9 mit angeschlossenem 400mm Objektiv locker in das grösste Core Unit von Shimoda und habe noch Platz für ein 100-400mm, einen x2.0 Konverter und extra Batterien. Diese Core Unit wiederum passt sowohl in den Action X50 wie auch in den Action X70 von Shimoda.


Bevor es zu meinem Fazit geht, zeige ich hier noch meine Favoriten aus diesem Frühling, alle mit der Z9 und dem Z 400mm F2.8 TC aufgenommen.








Mein abschliessendes Fazit und die Antwort auf die Frage am Anfang dieses Blogs lautet, Ja. Das Nikon Z 400mm F2.8 TC ist für mich das perfekte Super Teleobjektiv.

Egal ob Makro oder Wildtieraufnahmen, mit dieser Linse gibt es kaum Grenzen und es macht einfach unglaublich viel Spass damit die Wunder unsere schönen Erde einzufangen.

Alle kleinen Minuspunkte können entweder mit Einstellungen, Tastenbelegungen oder kleinen Neunschaffungen behoben/verbessert werden.

Für mich ist einzig die Stativschelle ein Wehrmutstropfen, denn ich würde das Objektiv extrem gerne auf die Sterne Richten und die eine oder andere Galaxie damit einfangen. Solange sich das Objektiv aber nicht zu 100% fixieren lässt, bleibt dieser Traum offen. Ich hoffe sehr, dass Nikon hier demnächst eine Lösung vorzuweisen hat...


Herzlichen Dank hast du dir die Zeit genommen und bis hierher gelesen. Ich hoffe sehr der Beitrag hat dir neue Infos gebracht und hilft dir vielleicht bei deiner Entscheidung welches Objekiv dich in Zukunft begleiten wird.


Falls du schon immer einmal ein 400er testen wolltest, gibt es diesen Herbst die Möglichkeit dazu! Auf meinem Wildtier Workshop stehen dir neben dem Nikon Z 400mmm F2.8 TC auch eine Nikon Z8 + Z9 sowie das Z 400mm F4.5 und das 100-400mm F4.5-5.6 zur Verfügung. Das ist die Gelegenheit um dieses Material in einer der schönsten Gegenden der Schweiz zu testen.

Bist du interessiert? Gerne nehme ich dich auf die Warteliste und informiere dich sobald alle Details zum Kurs verfügbar sind. Ich freue mich auf dich!


Beste Grüsse und vielleicht bis bald

Lukas

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