• Lukas Moesch

Island - Heimat der Vulkane

Aktualisiert: Sept 29


Im Frühling 2021 startete in Island, genauer gesagt auf der Halbinsel Reykjanes eine Vulkan Eruption. Als ich die ersten Bilder und Videos von dort sah war es um mich geschehen, denn es war kein normaler Ausbruch. Die Eruption startete mitten im Niemandsland, an einer Stelle an der noch nie ein Vulkan ausgebrochen war. Das heisst es öffnete sich Sprichwörtlich der Boden und die Lava begann sich ihren Weg zu bahnen.

Aufgrund der anhaltenden Corona Pandemie gestaltete sich eine Reise nach Island alles andere als einfach und so hatte ich mich beinahe damit abgefunden dieses Naturwunder nie mit eigenen Augen zu sehen...


inaktive Phase des Kraters in den frühen Morgenstunden

Wie es der Zufall wollte, schien die Eruption doch länger zu dauern als die zuvor prognostizierten wenigen Tage bis Wochen. Somit bestand plötzlich doch die Chance eines Besuches! Als dann Island seine Einreisebestimmungen noch lockerte hielt mich nichts mehr zurück und Flug sowie Mietwagen waren gebucht!

Würde ich tatsächlich bald an einem aktiven, neu entstandenen Vulkan stehen? Leider war es dann doch nicht so einfach und der Arbeitsalltag machte mir vorerst die Pläne zunichte...

Aufgrund eines kleinen aber dummen Arbeitsunfalls am Auge war es mir nicht möglich in einen Flieger zu steigen und ich durfte kurzfristig alles gebuchte stornieren. Die Enttäuschung war kaum in Worte zu fassen und die Aussicht mindestens einen Monat zu warten lähmte mich und meine Hoffnungen auf dieses Erlebnis enorm.

Dank der Flexibilität meines Betriebes, der guten Genesung und der andauernden Eruption, versuchte ich mein Glück noch einmal und buchte die Reise erneut.

Dieses Mal mit Erfolg!!!


Die Reise gestaltete sich nicht ganz so einfach wie noch vor Corona, aber auch nicht wahnsinnig viel komplizierter. Die ohnehin schon mühsamen Prozeduren an den Flughäfen wurden durch die notwendigen Coronatests und Schutzmassnahmen einfach in die Länge gezogen und umständlicher gemacht. Alles in allem kam ich aber überall reibungslos durch und dem Weg in die isländische Quarantäne stand nichts mehr im Wege.

Ja ihr habt richtig gelesen, ich musste erstmal in Island angekommen direkt in ein Quarantäne Hotel. Dort angekommen hiess es 5 Tage Isolation und Doppeltestung mittels PCR - Test.

Was besonders hart war, auf der Busfahrt vom Keflavik Airport hinein nach Reykjavik sah man alle 10 Minuten die Lavafontäne des Vulkans!

In den folgenden 5 Tagen gelang es mir meine neue Homepage zu gestalten und gefühlt alle paar Minuten die Vulkan Webcam zu checken. Zu diesem Zeitpunkt war die Eruption noch keine 3 Monate alt und gerade in einer wechselhaften Phase dessen Ausgang keiner vorhersehen konnte. So wechselte der Eruptionscharakter von dauerhafter Aktivität zu einem 10 Minuten Rhythmus, bestehend aus Aktivitäts- und Ruhephase.

Aufgrund dieser Entwicklung und der langsam aber sicher bedrückenden Stimmung in "Einzelhaft" sehnte ich dem zweiten Test und dem anschliessenden Ende der Quarantäne entgegen…



Nach den wirklich anstrengenden 5 Tagen Quarantäne kam dann endlich die Erlösung!

Der zweite Test war ebenfalls negativ und mir stand nichts mehr im Wege für 2 Wochen Island in seiner reinsten Form!


Dank Star Car Rental wurde mir noch am selben Abend der Mietwagen nach Reykjavik gebracht. Danach hiess es ab zum Vulkan, noch ein paar Lebensmittel und Wasser holen und ab geht die Post. Da das Eruptionsgebiet nur etwa 45 Minuten von der Hauptstadt entfernt liegt, ging die Fahrt dorthin sehr schnell vorbei und schon bald nahm ich die Wanderung zum Krater unter die Füsse.

Mein Test Resultat kam erst in den späten Abendstunden, sodass es bereits nach 22 Uhr war als ich am Lavafeld ankam. Wer den hohen Norden kennt, der weiss dass es um diese Zeit noch lange nicht dunkel wird, genauso war es dann auch...

Vom schönen Wetter der vergangenen Quarantäne Tage war zu diesem Zeitpunkt leider keine Spur mehr zu sehen, was mir als Fotograf aber alles andere als in die Quere kam denn es gibt kaum etwas langweiligeres als blauen Himmel ;-)

Nun was soll ich sagen. Der erste Augenkontakt mit dem Lava speienden Hauptkrater nimmt mir noch jetzt den Atem wenn ich daran denke. Diese pure und urtümliche Gewalt, die Hitze des Lavastroms und der Geschmack nach abgebrannten Feuerwerkskörpern lässt einem eine Gänsehaut wachsen!

Mit voll bepacktem Rucksack, warmer Kleidung, Verpflegung und natürlich voll geladenen Akkus verweilte ich die ganze Nacht im Eruptiongebiet und genoss jede einzelne Minute. Besonders als die Dämmerung einkehrte entstand eine surreale Stimmung die alle 10 Minuten von einer mächtigen Lavafontäne angefeuert wurde. Die Wucht in der einem die Hitze ins Gesicht schlug kann man nicht in Worte fassen, das muss man erlebt haben.


In der folgenden Galerie habe ich ein paar Handy Schnappschüsse von meinen Touren zum Vulkan:



Nach diesen ersten unglaublich intensiven Momenten sollte es erst einmal ein paar Stunden Ruhe für mich geben und so fuhr ich nach Grindavik, um meine Unterkunft zu beziehen. Da ich noch weitere Pläne für meinen zweiwöchigen Aufenthalt hatte, reservierte ich mir nur für 4 Tage eine fixe Unterkunft. Den Rest wollte ich spontan und vor allem wetterabhängig planen, zudem war die komplette Campingausrüstung ebenfalls mit an Board.

Auf den restlichen Verlauf meiner Tour gehe ich in einem separaten Blogbeitrag ein, hier soll der Vulkan das Hauptthema bleiben.

Und genauso gestalteten sich dann auch die nächsten Tage, beziehungsweise Nächte. Immer in den Abendstunden machte ich mich auf den Weg zum Vulkan um dort die Nacht zu verbringen und in den Morgenstunden wieder zurück zu kehren, die Batterien der Kamera und Drohne, sowie meine eigenen wieder aufzuladen. Vor Ort versuchte ich das ganze Spektakel so gut es mir möglich war einzufangen und so vielseitig wie nur möglich abzulichten. Das war aufgrund der überwältigenden Erscheinung und den zum Teil herausfordernden Bedingungen gar nicht immer so einfach. Nebst dem doch häufig starken Wind kam die allgegenwärtige Gefahr der Vulkangase hinzu. Bei der Eruption waren bis abends um Zehn immer Sicherheitsleute die die Gasbelastung kontrollierten, nach 22 Uhr aber war man auf sich gestellt. Glücklicherweise war meine Vorbereitung genug vorausschauend, sodass ich mir noch vor der Abreise eine entsprechende Maske kaufen konnte. Auf Island waren die nämlich total vergriffen und das hätte unter Umständen böse enden können. Dank der Maske war ich etwas besser vom Wind und den umherfliegenden Steinen geschützt, konnte aber mit ruhigem Gewissen auch etwas näher an das Geschehen und so die volle Kraft des Lavastroms erleben!

Falls ihr also selber einmal plant einen aktiven Vulkan zu besuchen, dann rate ich euch dringendst sich vorher zu informieren und euch immer vor Augen zu halten wo ihr gerade steht und was da genau vor sich geht. Denn eins ist klar, die Menschheit weiss noch immer nicht was da genau vor sich geht und in welche Richtung sich die Geschehnisse entwickeln mögen. Das ist die Natur und genau das liebe ich an Ihr!


Obwohl ich mittlerweile ein zweites Mal dort war, fällt es mir immer noch schwer das erlebte in Worte zu fassen, oder jemandem zu beschreiben. Was ich aber mit Sicherheit festhalten kann ist, dass es eine unbezahlbare und zutiefst berührende Erfahrung war und ich unglaublich dankbar bin das erlebt zu haben.


Als Abschluss ein paar Bilder die mir auf der ersten Reise in der Zeit zwischen dem 23.05 - 05.06.2021 geglückt sind, viel Spass beim Betrachten




In später folgenden Blogbeiträgen wird es erneut um Island gehen, einmal um den wieteren Verlauf meiner ersten Tour, sowie den zweiten Besuch des Vulkans im Ende Juli 2021. Ihr dürft gespannt sein…


Danke hast du dir die Zeit genommen bis hier hin zu lesen!



Liebe Grüsse, euer Lukas






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