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Nordlichter in der Schweiz - Was erwartet uns?

Aktualisiert: 16. Nov. 2023

Nordlichter lösen schon seit jeher eine Faszination auf den Menschen aus. In Urzeiten rankten sich Sagen und Mythen um die magischen Lichterscheinungen und noch Heute ist nicht alles über die Lichter restlos geklärt. Bisweilen sind die Lichter ein Phänomen des Hohen Nordens, doch 2023 waren sie vermehrt aus Mitteleuropa zu bestaunen. Wieso passiert das jetzt gerade und was erwartet uns in den nächsten Jahren?

Dieser Frage gehe ich in diesem Beitrag auf den Grund.


Traumwelt

Wer jetzt davon ausgeht, dass wir künftig solche Nordlicht Bilder wie das oben in den Schweizer Bergen schiessen können, den muss ich gleich zu Beginn enttäuschen. Das Bild ist ein Composit aus einer Schweizer Nachtaufnahme im Vordergrund und Nordlichtern aus Norwegen im Hintergrund. Die Himmelsrichtungen der beiden Bilder stimmen aber überein.

Die Frage ob so ein Bild ohne "mogeln" einmal möglich sein wird, ist jedoch sehr interessant und wirft viele weitere Fragen auf.


Auch wenn der letzte "Nordlichtausbruch" am 05. November 2023 sehr stark und sogar von blossem Auge sichtbar war, so werden solche Erscheinungen leider eine Seltenheit bleiben. Auch werden die von hier aus beobachtbaren Nordlichter kaum ein anderes Erscheinungsbild annehmen als wir das auf dem Webcam Bild unten sehen. Das Erscheinungsbild das Nordlichter in unseren Breiten haben, unterscheidet sich massgeblich vom Hohen Norden. Denn die Aurora Zone liegt wesentlich weiter nördlich als die Schweiz. Dies hat zur Folge, dass die Nordlichter unter normalen Umständen nie wirklich über diese Zone heraus "wandern" und bei uns dadurch nie so erscheinen werden, wie wir das aus dem Hohen Norden Skandinaviens kennen. Was wir hier bei uns sehen, ist die Höhenausdehnung der Nordlichter, der sogenannte Schweif. Aus diesem Grund sehen wir in Mitteleuropa auch nur die roten Nordlichter. Was sind jetzt aber rote Nordlichter, wieso sehen wir sie hier und was eigentlich der Schweif?


Blick von der Mitellegihütte am 05.11.2023 um 20:30

Für alle die gerne einen ausführlicheren Beitrag über Nordlichter lesen möchten, empfehle ich meinen Beitrag vom letzten Jahr. Dort zeige ich Bilder von allen Farben der Nordlichter und erkläre die dazugehörige Höhenstufe ausführlicher. Zum Beitrag geht es HIER


Um die Aussage vom Abschnitt weiter oben aufzugreifen, möchte ich einen Ausschnitt aus den Kursunterlagen meiner Fotoreisen mit dir teilen. Die Folie zeigt auf wie sich rotes Nordlicht verhält und auf welcher Höhe es ensteht.


Rotes Nordlicht entsteht in Höhen von bis zu 400km

"Damit rotes Licht emittiert wird, benötigt es etwa 100 Sekunden von dem Moment der Kollision eines geladenen Teilchens mit einem Sauerstoffatom. Damit diese Energie nicht von einer neuen Kollision "gestohlen" werden kann, ist eine geringe Dichte an Atomen nötig. Diese Voraussetzung ist erst in einer Höhe von über 350km gewährleistet und das auch erst, wenn durch anhaltende Aktivität der Sauerstoff in diese Höhe befördert wird. Werden nun aber all diese Anforderungen erfüllt und haben die Teilchen die Zeit die sie brauchen, dann kann sich der gesamte Himmel rot färben! Auf meiner Norwegen Reise hat einige Male alles zusammen gepasst und ich durfte dieses Phänomen erleben. Die rote Farbe wird dann selbst für das blosse Auge gut sichtbar. Anders als die roten Nordlichter der tieferen Stufe, haben die Lichter auf dieser Höhe keine definierte Form mehr. Sie bilden einfach einen grossen Fleck, der je nach Stärke selbst Grün und Pink überstrahlen kann.

Rot ist also die ultimative Krönung für jeden Nordlichtfan, denn es passiert unglaublich selten und ist zugleich ein äusserst verblüffender Anblick!"


So habe ich es im Beitrag von 2022 beschrieben und diese Aussagen passen noch immer.


Da wir uns in der Schweiz so weit südlich befinden, sehen wir immer nur den Schweif der Nordlichter, sprich den obersten Ausläufer. In diesen Höhenlagen dominiert, wie wir nun bereits wissen, das rote Farbspektrum der Nordlichter. Wir blicken also quasi seitlich auf das Nordlichtband und der unterste, zumeist grüne Teil der Nordlichter bleibt unter dem Horizont verbrogen. Das ist in etwa so, wie wenn wir die roten Wolken beim Sonnenaufgang sehen, die Sonne aber noch unter dem Horizont steht. Stünden wir nun weiter nördlich, würden die Nordlichter direkt über unserem Kopf tanzen. Der Grund weshalb wir aus den nördlichen Gebieten aber weniger Bilder der roten Nordlichter sehen, liegt genau an dieser Tatsache. Steht das Nordlicht nämlich direkt über unseren Köpfen, so wird der rote Schweif häufig vom intensiver leuchtenden Grün überstrahlt und bleibt verborgen. Erst bei gewissen Solaren Ereignissen vermag das rote Nordlicht genügend hell zu leuchten damit wir es sehen. In gewissen Fällen kann das Rot sogar alle anderen Farben überstrahlen!


Der Schweif der Nordlichter und seine Farben

Was heisst das aber nun für uns in der Schweiz bezüglich Nordlichter und wieso sehen wir sie aktuell so "oft"?


Die Position der Nordlichter massgeblich vom Magnetfeld der Erde abhängt, spielt sich die aurorale Aktivität immer im selben Bereich ab. Je nach äusserem Faktoren des Sonnenwindes mal etwas weiter nördlich und einmal etwas weiter südlich. Das genau zu erklären übersteigt einen Blogbeitrag und darüber hinaus auch mein Wissen. Aber alleine diese Physikalische Barriere verunmöglicht uns Bilder wie das aller erste in diesem Beitrag. Solche Bilder würden erst möglich wenn sich das Magnetfeld der Erde umpolt oder komplett zusammenbricht. Beide Phänomene wären äusserst gefährlich und das gesamte Leben auf unserem Planeten stünde auf Messerschneide. Das Magnetfeld ist unser natürlicher Schutzschild der all die kosmische Strahlung an uns vorbei oder zu den Polen lenkt und somit abschwächt.

Das wir dieses Jahr bereits zum wiederholten Male Nordlichter aus der Ferne beobachten konnten, liegt schlussendlich an der Sonne und ihrem 11-jährigen Zyklus. Der Aktuelle Zyklus hat 2019 begonnen und wir in etwa 2031 enden. Ein solcher Zyklus startet bei einem Sonnenminimum und endet wieder bei einem. In der Mitte liegt das Sonnenmaximum und genau darauf bewegen wir uns zu. Experten erwarten den Höchststand der Sonnenaktivitat um 2024-2025. In dieser Zeit ist die Sonne um ein vielfaches Aktiver und es tut sich wesentlich mehr auf der Sonnenoberfläche. Mit diesem Anstieg der Aktivität steigt auch die Anzahl an hochenergetischen Prozessen die Materie ins All befördert. Diese Materie kann dann auch erdgerichtet von der Sonne weggeschleudert werden und bei uns für Nordlichter Sorgen. Die stärksten Events werden CME genannt, auf Deutsch Koronaler Massenauswurf. Die dabei ausgeworfenen Teilchen erreichen uns mit extrem hoher Geschwindigkeit. Mit steigender Aktivität der Sonne werden auch solche Ereignisse zahlreicher und einzelne werden viel stärker als wir das aus den letzten Jahren kennen.

Bei der Vorhersage solcher Events ist nach wie vor noch vieles unklar und nur wenige Leute beherrschen das wirklich gut. An dieser Stelle verweise ich sehr gerne an Adrien Mauduit. Er ist für mich einer der führenden Nordlicht-Fotografen/Jäger der Welt und hat ein schier unermessliches Wissen rund ums Thema. Wenn du gerne tiefer eintauchen möchtest, findest du bei ihm mehr Antworten als du gesucht hast.

Hier gehts zu seiner Seite: www.nightlightsfilms.com


Spielt nun alles zusammen und der Himmel ist dazu noch fei von Wolken, sehen wir in der Schweiz Nordlichter. Ich gehe davon aus dass wir die nächsten 1-2 Jahre noch vermehrt die Gelegenheit haben werden die bunten Lichter zu bestaunen, fraglich ist jedoch wie oft es dann tatsächlich eintrifft. Nordlichter aus der Schweiz zu beobachten wird auf jeden Fall ein seltenes Phänomen bleiben, auch wenn wir uns dem 11-jährigen Sonnenmaximum nähern.

Nordlicht in Südnorwegen

Reisen in den Hohen Norden sind in den nächsten Jahren aber ganz klar eine sensationelle Gelegenheit um richtig schöne Nordlichter beobachten zu können, sind doch die Farben, Formen und Geschwindigkeiten der Nordlichter in dieser Zeit nochmal beeindruckender als sonst schon!


Zum Abschluss des Blogposts möchte ich noch einige Bilder aus dem Hohen Norden mit dir teilen die die Schönheit dieses Naturwunders wiedergeben.



Ich hoffe der Beitrag hat dir einige Antworten geliefert und er war spannend zu lesen!


Liebe Grüsse und eine schöne Herbstzeit,

Lukas


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