SONY A1ii - Das Review nach einem Jahr
- Lukas Moesch

- 2. Dez. 2025
- 14 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 3. Dez. 2025

Die Veröffentlichung dieses Blogbeitrags war eigentlich wesentlich früher geplant. Nach einigen Überlegungen entschloss ich mich jedoch dazu, das Review nicht bereits nach wenigen Wochen zu schreiben, sondern die ganzen Erfahrungen aus einem Jahr in diesen Bericht einfliessen zu lassen. Schnelle Reviews, die wenige Tage nach dem Release bereits veröffentlich werden, gibt es wie Sand am Meer. Doch sagen diese auch wirklich etwas über die Qualitäten einer Kamera bei täglichem Einsatz aus? Aus meiner Sicht können solche Reviews nur unvollständig sein und deshalb möchte ich es etwas anders angehen.
Der Beitrag ist in drei Teile aufgeteil und du kannst über folgende Begriffe navigieren:
Viel Spass beim lesen dieses ehrlichen "Real Live" Reviews!
Eine Kamera für Alles, gibt es das und
wenn ja, ist es die Sony A1ii?
Dieser Frage bin ich bereits beim erscheinen der Nikon Z8/9 nachgegangen. Als ich damals noch mit Nikon fotografiert habe, waren das meine zwei Arbeitstiere. Mit ihnen bekam ich zum ersten Mal das Gefühl, es könnte sowas wie die "eierlegende Wollmilchsau" unter den Kameras geben. Entwickelt wurden diese Kameras als Konkurrenz zur damaligen Sony A1, dem Vorreiter dieser Art von Spiegellosen Kameras.
Nun erschien im November 2024 Mark zwei der beliebten Sony A1, mein aktuelles Arbeitstier.
Zu Beginn ein paar Zahlen zur Kamera
Gewicht: 743g
Auflösung: 50.1 MP
Auflösung Video: bis 8K 30p
ISO: 100 - 32'000
Serienbildgeschwindigkeit: 20fps RAW bis zu 30fps RAW (verlustbehaftet komprimiert)
Fokussystem: 759 AF Messfelder mit autoatischer Motiv und Augenerkennung
Preis: CHF 6'499.-
Wenn man diese Daten so liest, wird den meisten wohl schnell klar was diese Kamera zu leisten vermag. Was diese Zahlen nun genau bedeuten und wie sich die SONY A1ii in meinem Alltag als Natur- und Landschaftsfotograf schlägt, erfährst du in diesem Beitrag.
Der erste Eindruck der Sony A1ii
Da ich über 10 Jahren mit Nikon fotografiert habe, sind gewisse Kritikpunkte vielleicht etwas "vorbelastet". Hinter den beiden Systemen stecken komplett unterschiedliche Firmen, mit unterschiedlichen Konzepten. Das war für mich zu Beginn eine grosse Herausforderung, denn einige der automatisierten Abläufe musste ich komplett umstellen.
Um ein wirklich aufrichtiges Feedback geben zu können, wollte ich mir die Zeit nehmen um vollständig in der Welt von Sony anzukommen und das Equipment auf Herz und Nieren zu testen. Nach gut einem Monat der intensiven Nutzung war für mich das Menü und die Bedienung kein Hindernis mehr und ich konnte wie gewoht mit der Kamera arbeiten.
Im Vergleich zu den bisher genutzten Nikons wirkt die SONY A1ii genauso hochwertig verarbeitet und man hat keine Zweifel dass die Kamera auch widrige Bedingungen problemlos aushält. Die Kamera liegt erstaunlich gut in der Hand, wenn auch nicht ganz so gut wie die Nikons. Das Gehäuse, welches auch bei der A9iii zum Einsatz kommt, bietet einen angenehm tiefen Handgriff und eine Vielzahl an Knöpfen die einerseits gut platziert sind und andererseits individuell belegt werden können. Das hilft mir besonders um einige der automatisierten Abläufe auf diese Kamera zu übertragen und Funktionen an die gewohnte Stelle zu legen. Natürlich ist es ein komplett anderer Body als meine Z8 und somit ändern sich gewisse Bedienabläufe zwangsläufig.
Was mir aber direkt extrem gut gefällt, sind die drei Einstellräder mit denen sich Verschlusszeit, Blende und ISO super einfach und auch mit dicken Handschuhen ohne Probleme einstellen lassen. Auch der Weissabgleich, denn ich immer Manuell einstelle und gerne an die Situation/Stimmung anpasse, lässt sich bei Sony auf ein weiteres Rädchen legen. Das ist ein grosser Gewinn für mich, da nun ein gleichzeitiges Drücken einer Taste + Drehen eines Rades komplett wegfällt!
Display und digitaler Sucher sind ebenfalls sehr angenehm zu benutzen, vor allem der Sucher ist sehr hell und hochauflösend, vorausgesetzt man hat im Menü die richtigen Einstellungen vorgenommen! Um die maximale Darstellungsqualität zu erhalten, muss man nämlich die Bildwiederholungsrate auf den niedrigsten Wert setzen. Natürlich geht es auch mit weniger Auflösung, dann ist der Sucher aber deutlich unschärfer als ich das von Nikon gewohnt bin. Etwas das mich aber bis heute an allen Sony Kameras stört, ist der Schärfeverlust bei halbgedrücktem Auslöser und aktiviertem AF-C. Sobald man den AF aktiviert fängt das LiveView Bild (Sucher + Display) an zu rauschen und die Auflösung wird reduziert. Woher diese Einschränkung kommt ist mir unbekannt. Man gewöhnt sich mit der Zeit etwas daran, mich stört es aber auch nach einem Jahr noch immer.
Das Display überzeugt mich besonders mit dem ausgeklügelten und gleichzeitig robust wirkenden Dreh-, Klapp- und Schwenkmechanismus, der das Arbeiten in unbequemen Positionen deutlich erleichtert. Besonders schön ist die neu gewonnene Option das Display auch bei einer extrem hohen Kamerapositionen noch einsehen zu können, das war früher immer mit einem Blindschuss verbunden.
Der Akku ist mit 2280mAh schwächer als die neuste Generation der Nikon Akkus. Im direkten Vergleich auf einigen meiner Workshops, musste ich bei der Sony A1ii aber deutlicher weniger Akkus wechseln als meine Gäste mit ihren Nikons. Es scheint als wäre der Gesamtverbrauch bei Sony deutlich geringer, was die niedrigere Akkukapazität mehr als ausgleicht. Auch bei extremer Kälte halten die Akkus locker eine ganze Nachtsession durch. Dennoch hilft es, die Ersatz Akkus vor dem Einsatz stets in der Wärme zu halten.
Etwas speziell gelöst ist die Anzeige des Akkustands bei weniger als 25-30%. Es erscheint dann plötzlich nur noch das Symbol für eine beinahe leere Batterie und die Kamera schaltet sich somit plötzlich ab, ist der Akku einmal ganz erschöpft. Ich hatte dabei mehrfach den Eiindruck, die letzten 20% hielten nicht annähernd so lange wie die Spanne von 50-30%. Aufgrund der fehlenden Nachvollziehbarkeit wegen fehlender Prozentangaben, kann dieser Eindruck aber auch täuschen.
Beim Thema Speicherkarten hat Sony wirklich hervorragende Arbeit geleistet und bietet gleich zwei Dual Slots an, die sowohl Karten im SD wie auch CF-Express Typ A Format aufnehmen. Mit den kleinen Typ A CF-Express Karten steht zwar eine rechte Investition an, dafür sind die Karten extrem schnell und zudem unglaublich klein. Wer die enorme Geschwindigkeit von CF-Express nicht benötigt, kommt preisgünstig mit zwei SD Karten aus.
Ansonsten hat sich für mich, im Vergleich zu Nikon, vor allem im Menü sehr viel verändert. Dort stehen so viele Möglichkeiten zur Personalisierung zur Verfügung wie ich sie noch nie zuvor bei einer Kamera gesehen habe. Da das koplette Layout anders aufgebaut ist, braucht es bei einem Systemwechsel einiges an Zeit, bis man sich wirklich zurecht findet. Glücklicherweise bietet Sony aber ganze sechs Menüseiten zur individuellen Belegung. Investiert man einmal die Zeit diese Seiten sinnvoll und mit den wichtigsten Punkten systematisch zu belegen, dann wird die Bedienung sehr schnell sehr intuitiv. Verzichtet man auf diesen Zeitinvest, verliert man sich hingegen gerne im unglaublich grossen Menü, auf der Suche von häufig genutzten Einstellungen.
Wer gerne mehr dazu wissen möchte, der bucht sich am besten einen 1:1 Kamera Kurs bei mir. Denn es würde jeden Blogbeitrag sprengen um alle wichtigen Punkte zu behandeln.
Alles in Allem bleibt ein sehr wertiger und robuster Eindruck und man hat absolut keine Zweifel, dass diese Kamera auch wildes Wetter, Hitze, Kälte und Regen problemlos übersteht.
Nun tauchen wir aber in meine Hauptgebiete, die Landschafts-, Makro- und Tierfotografie ein und schauen uns an, ob die Sony A1ii wirklich die eine Kamera für alles ist...
Landschaftsfotografie mit der Sony A1ii

Für die Landschaftsfotografie brauche ich persönlich einen verlässlichen Kamerabody, der auch in strömendem Regen und bei gefrierendem Nebel funktionieren muss. Zudem ist ein zuverlässiger Autofokus und eine Möglichkeit bei Nacht treffsicher zu fokussieren ein absolutes Muss. Da ich seit einigen Jahren vermehrt freihändig arbeite, verlasse ich mich gerne auf einen leistungsstarken Bildstabilisator, der mir Verschlusszeiten von bis zu 1/5 Sekunden aus der Hand und dadurch ganz neue Bildkompsitionen ohne Stativ ermöglicht.
Seit ich im Winter 2024 auf die Sony A1ii umgesteigen bin, konnte ich sie in den unterschiedlichsten Settings der Naturfotografie nutzen. Bis auf Regenwälder und Wüsten war wohl so gut wie alles dabei und die Kamera, wie auch die GM Objektive wurden mehrfach an ihre Grenzen gebracht. Was die Landschaftsfotografie anbelangt, hat mich die Sony A1ii kein einziges Mal im Stich gelassen und erfüllt alle oben genannten Kritikpunkte tadellos. Drei besondere Highlight aber auch zwei Schwachstellen möchte ich nachfolgend genauer ausführen.
Helle Überwachung:
Wer schon einmal ohne Stirnlampe in der Nacht versucht hat eine Bildkomposition zu finden, der weiss wie schier unmöglich dieses Vorhaben ist. Mit der hellen Überwachung liefert Sony genau dafür ein unglaublich mächtiges Werkzeug. Via Tastenbelegung verstärkt dieser Modus jegliches Restlicht und pusht die Kamera bis an ihr Limit. Nach Aktivierung dieser Funktion erkennt man sowohl im LiveView wie auch im Sucher selbst bei geringstem Lichteinfall (10-15% Mondlicht, Streulicht von Lichtverschmutzung, Nordlichter usw.) die Konturen in der Landschaft und sieht die Details der Milchstrasse. Es war noch nie einfacher bei Nacht sein Bild zu komponieren. Die Funktion ist zudem so gut umgesetzt, dass ich bei leichtem Mondlicht und in der 100% Ansicht auf einen Eiszapfen in einer Gletscherhöhle manuell scharfstellen konnte, etwas das bei Nikon in der selben Funktion wegen massivem Farbrauschen unmöglich gewesen wäre.
Zum Scharfstellen auf die Sterne eignet sich dieser Modus aufgrund seiner Zeitverzögerung nur bedingt. Hierfür schalte ich die Helle Überwachung wieder aus und bediene mich der maximalen Fokusvergrösserung im LiveView, was ausgezeichnet funktioniert. Die hellsten Sterne trifft sogar der Autofokus!

Rauschverhalten:
Aufgrund der 50MP war ich anfangs etwas skeptisch betreffend Rauschverhalten der Sony A1ii. Nach ersten Tests konnte ich diese Zweifel aber sehr schnell wieder vergessen. Die Bildqualität und das Rauschverhalten bei hohen ISO Werten überzeugt wirklich sehr. Ganz egal ob ich Nordlichter mit ISO 6400 oder den Eisvogel im letzten Tageslicht mit ISO 10'000 fotografiere, die Bilder sehen schon mit einer leichten standard Entrauschung sehr gut aus. Mit den heutigen Tools lassen sich diese Bilder ohne jegliche Probleme weiter entrauschen und anschliessend grossformatig drucken. Anbei zwei 100% Ausschnitte aus Bildern, einmal bei ISO 10'000 und einmal bei ISO 6'400. Natürlich sehen wir bei beiden Aufnahmen starkes Bildrauschen. Die Charakteristik des Rauschens eignet sich aber hervorragend für die weiteren Stufen der Rauschreduzierung und es ist kein problematisches Banding zu erkennen.
Klappdisplay:
Wie schon angesprochen finde ich das Klappdisplay der Sony A1ii einfach grossartig. Die Flexibilität die es mitbringt, macht die Kamera für fast jede erdenkliche Situation einsatzbereit und ich hatte noch nie die Angst, dass es bei der Arbeit abbricht oder beschädigt wird. Besonders angenehm finde ich die Möglichkeit, das Display nun auch im Hochformat nach unten ausrichten zu können. Es gibt immer wieder Situationen in denen das Stativ wesentlich höher eingestellt ist als ich mit meinen 1,7m gross bin. Dank des genialen Mechanismus kann ich nun noch immer alles im LiveView sehen und meine Bildkomposition komfortabel anpassen. Auch freihand lässt es sich so fantastisch arbeiten
Bei meiner Arbeit gibt es nur in der Makrofotografi eine Position bei der ich an die Grenzen stosse. Dazu im letzten Abscnitt mehr. Alles in allem finde ich den Mechanismus wirklich fantastisch und würde ihn nicht mehr hergeben wollen!

Nun noch zu den wenigen Mankos:
Eine rundum perfekte Kamera wird es wohl nie geben und so hat auch die Sony A1ii ein paar Punkte die mich stören. Grundsätzlich finde ich die Philosophie, dass sich gewisse Funktionen gegenseitig ausschliessen ganz in Ordnung. Leider fährt Sony hier eine recht bevormundende Linie und es lassen sich einige nützliche Funktionen nicht miteinander kombinieren. Dass von Sony im Menü zudem nur sehr selten Informationen angezeigt werden, weshalb Funktion XY jetzt nicht aktiviert werden kann, bringt mich und meine Sony Kunden immer wieder zur Weissglut. Mit einem sauber aufgebauten eigenen Menü lässt sich das zwar etwas entschärfen, ärgerlich ist es aber dennoch.
Der zweite Punkt, der mich vor allem Nachts beschäftigt, ist der zu helle Monitor. Selbst in der dunkelsten Einstellung würde ich mir ein bis zwei weitere Stufen an Abdunkelung wünschen. Gerade wenn man zu zweit unterwegs ist oder die Kamera im Bulb Modus mit ausgeklapptem Display belichten lässt, kann es einem den gesamte Vordergrund leicht ausleuchten. Vielleicht hört Sony ja hier in Zukunft weiter auf die Profis und bringt für diese Probleme eine Software seitige Lösung.
2025 war wirklich ein sehr produktives Foto-Jahr und es ist nicht leicht eine Best-Of Galerie zu bestimmen. Ich hoffe dir gefällt meine Auswahl:
Tierfotografie mit der Sony A1ii
Um Tiere zu fotografieren braucht es eine Kamera mit einem guten Autofokussystem, speziell wenn es sich um schnelle und kleine Tiere handelt.
Der grösste Kritikpunkt bei Nikon war immer der Autofokus mit seiner fehlenden Präzision. Da ich sehr lange mit Nikon gearbeitet habe, war ich umso gespannter auf die Perfomance des Sony Flagschiffs A1ii. Mit meinen 1:1 Workshops zur Birkhahnbalz bot sich mir im Frühling 2025 die perfekte Gelegenheit den Autofokus unter Beweiss zu stellen und gleichzeitig mit dem der anderen Kamerherstellern zu vergleichen.
Das kurze Fazit lautet WOW!
Was Sony bei der A1ii beim Autofokus und insbesondere bei der Motiverkennung abgeliefert hat ist einfach unglaublich. Noch nie zuvor habe ich so einen treffsicheren Autofokus erlebt. Es macht einfach unglaublich viel Spass sich nicht mehr soviele Sorgen über die Fokussierung machen zu müssen und sich voll und ganz auf das Gestalten des Bildes konzentireren zu können. Ganz egal von welcher Seite sich die Birkhähne präsentiert haben, der Autofokus hat im Minimum den Kopf der Vögel erkannt und treffsicher scharfgestellt. Selbst sich wenn mehrere Vögel im Blickfeld aufhalten, bleibt die Sony am anvisierten Motiv dran. Möchte man einen schnelleren automatischen Wechsel zwischen einzelnen Motiven, lässt sich diese Empfindlichkeit auch ganz einfach anpassen. Aus meinen langjährigen Erfahrungen mit Nikon und im 1:1 Vergleich mit meinen Nikon Kunden liegen beim Autofokus wirklich Welten dazwischen und die Nikons driften immer wieder auf die Schwanzfedern oder noch weiter ab.
Auch die Pre-Capture Funktion wurde von Sony meisterhaft umgesetzt. Ist die Funktion aktiviert, werden wahlweise bis zu 1 Sekunde vor dem tatsächlichen Auslösen bis zu 20 Bilder pro Sekunde in voll aufgelösten RAW Dateien aufgenommen. Das ist genug um wirklich jede Action einzufangen, auch wenn man die Tiere noch nicht so gut kennt und etwas zu spät auf den Auslöser gedrückt hat. Wichtig ist hier noch zu erwähnen, dass Pre Capture erst bei halbgedrücktem Auslöser aktiviert wird und dann fortlaufend Bilder speichert und direkt wieder löscht bis der Auslöser ganz gedrückt wird. Solange der Auslöser halbgedrückt ist, verbraucht die Kamera sehr viel Strom und wird zudem auch schnell warm, das sollte man sich einfach bewusst sein bei der Nutzung dieser Funktion. Das Sony Pre-Capture mit RAW Dateien unterstützt ist für mich wirklich ein Gamechanger. Aber Achtung, die Speicherkarten füllen sich in rasantem Tempo ;-)
Weiter gefällt mir die Akkulaufzeit der Sony A1ii im Bereich der Wildtierfotografie sehr gut. Trotz kontinuierlichem Autofokus, Motiverkennung und gezielt eingesetztem Pre-Capture brauche ich selten mehr als zwei volle Akkus für einen ganzen Morgen bei den Birkhähnen.
Die diversen und umfangreichen Tastenbelegungen helfen mir, stets die richtigen Einstellungen griffbereit zu haben. Besonders gerne nutze ich die Option ein komplettes Set an Einstellungen auf eine einzige Taste zu legen. So gelingt es mir, in Sekundenschnelle von einem langsamen Motiv zu einer Actionszene zu wechseln und mit einem Knopfdruck die Verschlusszeit sowie Fokusfeld und vieles mehr entsprechend zu verändern. Um diesen Wechsel zu vollziehen nutze ich die Funktion Abruf.Ben. Halten 1-3. Wie diese zu konfigurieren sind erkläre ich gerne auf einem 1:1 Coaching oder auf meinen Wildlife- und Kamerasetting-Workshops.

Von den Birkhähnen über den Eisvogel bis zu den Alpensteinböcken konnte ich mit der Sony A1ii dieses Jahr über viele Stunden und in den unterschiedlichsten Settings arbeiten. Was sich dabei am deutlichsten gezeigt hat, ist die Stärke der Motiv-/Augenerkennung bei Vögeln. Natürlich kann ich das nicht wissenschaftlich belegen, aber bei Vögeln trifft die Motiv-/Augenerkennung gefühlt deutlich schneller und zuverlässiger als beispielsweise bei Steinböcken. Bei meinem letzten Shooting hatte die Kamera doch das eine oder andere Mal Probleme, die Augen der Steinböcke zu lokalisieren und nachzuführen. Hier hat es in vielen Fällen besser funktioniert die Motiverkennung zu deaktivieren und nur das Tracking zu nutzen.
Anbei mein Wildlife Best-Of des vergangen Jahres:
Den einzigen Wermutstropfen den ich in der Wildtierfotografie feststellen musste, bezieht sich auf ein lästiges Autofokusproblem welches bei der Sony A1ii seit dem ersten Tag besteht und nur in ganz spezifischen aber für mich wichtigen Situationen auftaucht. Welche Situationen das sind, erkläre ich im nächsten Abschnitt ausführlicher. Da sie in der Makrofotografie deutlich häufiger auftreten als in der Wildtierfotografie, passt es besser dort hinein.
Makrofotografie mit der Sony A1ii
Für die Makrofotografie gilt weitgehend das selbe wie für die Tierfotografie. Mit der Sony A1ii hat man ein Werkzeug in der Hand, das extrem zuverlässig arbeitet und eine fantastische Bildqualität liefert.
Besonders positiv hat mich der Tracking Autofokus (ohne Motiverkennung) überrascht. Sobald er aktiviert wird, verfolgt er selbst die zarteste Blüte extrem treffsicher. Das ist bei der Arbeit mit einer 400mm F2.8 Linse unabdingbar, wenn die Blume auch bei Wind noch perfekt scharf sein soll.
In allen Bereichen in denen ich die Kamera nun seit einem Jahr nutze, sind mir in diesem Bereich die grössten Schwächen aufgefallen. Es sind deren zwei, die das Arbeiten in ganz spezifischen Situationen erheblich beeinträchtigen. Hierbei möchte ich aber betonen, dass diese Situationen bei meinem persönlichen Arbeitstil auftreten und wohl die meisten Nutzer einer A1ii nie auf diese Grenzen/Probleme stossen werden.
Einschränkung Klappdisplay:
Wenn die Kamera im Hochformat genutzt wird, steht bei ganz tiefen Kamerapositionen (die ich für Makrofotografien häufig und meist freihand nutze) das Display am Boden an und wird hochgeklappt. Dadurch ist ein Blick auf das Diplay nur noch von senkrecht oben möglich. In Kombination mit grossen Objektiven und/oder langen Brennweiten wie dem 100-400mm oder gar dem 400mm F2.8, wird es eine echte Herausforderung, die Linse auf das Motiv ausgerichtet zu halten und in einem solch steilen Winkel auf das Display zu blicken. Hier wäre ein weiterer Kippwinkel wie er im Querformat (siehe mittleres Bild unten) vorhanden ist die perfekte Lösung und wohl technisch umsetzbar.
Natürlich kann in solchen Situationen das Display in die normale Position gestellt werden, dann verliere ich aber den ganzen Nutzen eines Klappdisplays und kann genau so gut durch den Sucher schauen.

Fokusproblem im Hochformat:
Meistens kommt in genau solchen Situationen dann auch das zweite Problem hinzu, dass das Fotografieren fast unmöglich macht. Ebenfalls im Hochformat und NUR im Hochformat, hat der Fokus der Sony A1ii massive Probleme, sobald ich versuche durch etwas hindurch zu fotografieren. Diese Methode nutze ich sehr gerne um ein spannendes Bokeh zu erzielen oder gewisse Teile der Szene mit dem unscharfen Vordergrund zu verdecken. Solange ich die Kamera im Querformat nutze gelingt das ohne irgend ein Problem und der Fokus sitzt perfekter als ich es je bei einer Kamera erlebt habe. Sobald ich jedoch in 1:1 der selben Szene und Position ins Hochformat drehe, beginnt der Autofokus zu "pumpen". Ich habe es sowohl freihand wie unter sehr kontrollierten Bedingungen direkt von Stativ probiert, jedes Mal mit dem selben ernüchternden Endresultat. Sobald das Pumpen auftritt, habe ich keine Möglichkeit mehr, mein Motiv korrekt scharfzustellen. Die einzige Lösung bringt eine Veränderung der Postion und ein gänzliches Weglassen aller Objekte durch die ich hindurch fotografieren wollte. Auch die Abschaltung des Autofokus löst die Situation, du kannst dir aber gut vorstellen wie schwierig es in so einer Situation wird, das Motiv manuell scharfzustellen.
Der Fehler tritt bei allen von mir getesteten A1ii sowie bei den unterschiedlichsten Objektiven und in allen erdenkbaren Autofokus Kombinationen auf.
Spannend ist jedoch die Tatsache, dass die Probleme wirklich nur beim fotografieren im Hochformat auftauchen. Hält man die Kamera quer funktioniert alles wunderbar, egal durch was man alles hindurch fotografieren möchte ;-)
Sony hat den Fehler nach mehrfacher Meldung via Video Nachweis und Tests mit verschiedenen Setups meinerseits, anerkannt und arbeitet hinter den Kulissen offensichtlich auch an einer Lösung. Leider wurde diese aber auch über nach einem Jahr noch nicht nachgeliefert, was etwas enttäuschend ist.
Nichts desto trotz konnte ich diesen Frühling mit der Kombination Sony A1ii + Sony 400mm F2.8 GM unglaublich schöne Makro-Szenen einfangen. Anbei mein persönliches Best-Of der Makrosaison 2025:
Mein abschliessendes Fazit und die Antwort auf die Frage am Anfang dieses Blogs lautet, Ja die Sony A1ii ist definitiv eine Kamera die man für jeden Bereich der Naturfotografie einsetzen kann. Vom Video Bereich habe ich in diesem Beitrag nichts erwähnt, weil das kein Bestandteil meiner täglichen Arbeit ist. Die wenigen Male die ich etwas gefilt habe, liessen aber keine Zweifel offen, dass die A1ii auch hier ein echtes Arbeitstier ist!
Wenn Sony nun noch den Fehler beim Autofokus in den Griff bekommt, finde ich kaum etwas das es zu bemängeln gibt und mit dem man nicht umgehen kann.
Egal in welcher Disziplin ich die Kamera benutzt habe, sie bringt im Vergleich zur Konkurrenz so gut wie immer einen Mehrwert und erleichtert einem das Arbeiten ungemein. Zudem passt sie mit ihrer Grösse und Gewicht in jeden Fotorucksack und trägt sich dadurch auch gut über mehrere Stunden auf einen Berg.
Diesen Mehrwert in kompaktem Gehäuse bezahlt man mit einer sehr hohen Investition, die sich nur für diejenigen lohnt, die das Beste für ein sehr breites Einsatzfeld suchen. Die Preise in dieser Kameraklasse bleiben dafür wesentlich länger stabil als bei billigeren Modellen, das ist gerade für den Wiederverkauf ein Vorteil der nicht zu unterschätzen ist.
Wer von der Fotografie lebt und tagtäglich mit einer Kamera arbeitet, der schätzt ein Kameragehäuse auf das man sich verlassen kann, egal ob es regnet, schneit oder bitter kalt ist. Genau das bekommt man beim Kauf einer Sony A1ii. Diese Kamera ist ein Werkzeug für Fotografen genau wie der Hammer das Werkzeug eines Schlossers ist.
Herzlichen Dank hast du dir die Zeit genommen und bis hierher gelesen. Ich hoffe sehr der Beitrag hat dir neue Infos gebracht und hilft dir vielleicht bei deiner Entscheidung welche Kamera dich in Zukunft begleiten wird.
Melde dich bei Fragen gerne jederzeit bei mir via info@lukas-moesch.ch
Beste Grüsse
Lukas






















































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